Mit Fontane durchs Jahr

Erinnern Sie sich noch an das Fontanejahr 1998? Damals wurde der 100. Todestag (20.9.1898) des märkischen Dichters von einem Jahresprogramm des Berliner Museumspädagogischen Diensts und des Theodor Fontane Archivs  begleitet. In einem 117 Seiten umfassenden Büchlein wurde eine Vielzahl von Veranstaltungen und Touren auf den Spuren Fontanes und seiner Werke in Berlin und Brandenburg aufgeführt. Das wunderbare Geleitwort schrieb  damals der US-amerikanische Historiker Gordon Alexander Craig, ein ausgezeichneter Kenner der deutschen Geschichte  -auch der deutschen Literaturgeschichte –  mit einem besonderen Verhältnis zu Berlin und Fontane. Craig, der 2005 mit 91 Jahren in den USA starb, war Ordensmitglied  des Pour le Merite  und ab 1962 Gastprofessor im Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin.

20 Jahre sind seitdem vergangen und mit dem Internet sind die technischen Möglichkeiten zur raschen und umfänglichen Information rasant gestiegen. Ein vergleichbares Büchlein mit einer Übersicht der Veranstaltungen zu Fontanes  200. Geburtstag 2019 habe ich jedoch vergebens gesucht. Fündig geworden bin ich auf der Webseite https://fontane-200.de/de, wo unter  dem Titel »fontane.200« dieses Mal das Land Brandenburg federführend vom 30. März 2019 bis zu Fontanes 200. Geburtstag am 30. Dezember den Autor mit einem  umfangreichen  Veranstaltungsprogramm würdigt. Eine witzige Idee dabei ist die auf der Webseite gezeigte tagesaktuelle „Chronik des Tages“, die eine Unternehmung oder ein Erlebnis  an diesem Tag im Leben Fontanes benennt.

Modell für das Fontane Denkmal

Im Zentrum des Jubiläumsjahres steht natürlich Fontanes Geburtsstadt Neuruppin. Die Hauptausstellung “fontane.200“ wird  im renovierten und erweiterten Stadtmuseum Neuruppin ab 30. März gezeigt. Wie jetzt mitgeteilt wurde, eröffnet Bundespräsident Steinmeier dort am selben Tag das Fontane Jubiläumsjahr.

Neuruppin

Eine Sonderausstellung im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam, die Veranstaltungen des Themenjahrs von Kulturland Brandenburg http://www.kulturland-brandenburg.de/fontane-200-spuren-themenjahr-2019  mit über 40 Projektpartnern und der Kongress des Theodor-Fontane-Archivs der Universität Potsdam im Campus am Neuen Palais im Juni  gehören ebenso zum Programm wie zahlreiche Veranstaltungen der Theodor-Fontane-Gesellschaft. Weitere brandenburgische Städte werden sich unter dem Titel  “Stadtwärts“ an einer Spurensuche mit Führungen und Ausstellungen beteiligen. Berlin ist natürlich auch mit mehreren Ausstellungen und Lesungen vertreten. So wird ab August eine Fotoausstellung der Stiftung Stadtmuseum im Märkischen Museum zu sehen sein, die Fontanes poetisches Werk mit Fotos berühmter Berlin-Fotografen begleitet und den  Wandel der königlichen Residenz zur Reichshauptstadt und den Beginn der Metropole zeigt.

Das Fontane-Geburtshaus in der Karl-Marx-Straße 84 wurde nach dem Stadtbrand 1788 errichtet. Fontanes Vater, der Apotheker Louis Fontane (1796–1867) erwarb das Haus 1819, dass er bereits 1826 zur Begleichung von Spielschulden wieder verkaufen musste. Das Haus ist nicht mehr im Originalzustand, umfangreiche Veränderungen wurden vorgenommen (Fassade, Höhe).

Wer sich dem Autor ganz nahe fühlen will, sollte auf die Originalquellen  zurückgreifen: 20 000 Originalhandschriften, Notizen, Manuskripte und Drucke  aus dem Fontane Archiv Potsdam wurden bisher digital erfasst. Das  Archiv plant, seine Digitalisate im Internet zu präsentieren. Bis es soweit ist, kann der interessierte Leser aber bereits in Theodor Fontanes Notizbüchern digital blättern https://fontane-nb.dariah.eu. Die digitale Edition von Fontanes insgesamt 67 Notizbüchern wird seit 2015 im Fontane-Portal der Universität Göttingen veröffentlicht.

In loser Folge will „Berlin ab 50“ über einige der Ausstellungen, Führungen  und Lesungen berichten. Da das Jubiläumsjahr erst am 30. März beginnt, beginnen die meisten Veranstaltungen erst nach diesem Termin. Auch ist das sehr empfehlenswerte Neuruppiner Stadtmuseum ist leider  bis dahin geschlossen.

Blick auf das Stadtmuseum vom Tempelgarten. Das Stadtmuseum Neuruppin – zwei Wohnhäuser aus den 1790er-Jahren – wurde von der  „Springer Architekten GmbH“ durch einen neuen Seitenflügel erweitert, dessen durch Ziegelflächen und Pfeiler proportionierte Fassade den stadtbaulichen Vorgaben der nach dem großen Brand von 1787 bis 1803 entstandenen Planstadt Neuruppin folgt. Ausgerichtet ist der Anbau auf den 1735 nach Plänen des Haus-Architekten von Friedrich II, Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff entstandenen Rundtempel im Tempelgarten (hier im Vordergrund) jenseits der Stadtmauer.

Mein erster Besuch wird deshalb der Sonderausstellung zur Geschichte des Apothekerberufes und des Arzneimittelwesens  im 19. Jahrhundert im Cottbuser Apothekenmuseum führen (wird am 16.01.2019 eröffnet), da Fontane in seinem „ersten Leben“ bis 1849 –  wie sein Vater – Apotheker war.

Das wird ein  spannendes Fontane-Jahr!

meint mw

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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