Die neuen „Annoncir-Säulen“ sind da

Vor kurzem wurde hier im Blog berichtet („So schön werden sie nie mehr …“), dass die Litfaßsäulen erneuert werden und einen neuen Besitzer bekommen. Bei uns ist es schon so weit!

Doch wer war der Namensgeber,  der so seinen Namen  durch rund 4000 Säulen in Berlin (und  70.000 im Bundesgebiet) unsterblich gemacht hat, so wie Röntgen und Diesel den ihren durch ihre Erfindungen?  Ist es nicht genau das, was wir uns auch alle als Nachruhm wünschen?

Vor fast 170 Jahren wurde die „Litfaßsäule“ geboren. Es geschah zu der Zeit, als der Berliner Polizeipräsident Hinkeldey (im Duell gestorben, Gedenkstein in der Jungfernheide) dem Drucker Ernst Theodor Litfaß (1816-1874) die Genehmigung erteilte, „Annoncir -Säulen“ aufzustellen, um das illegale Kleben von Mitteilungen, Annoncen usw. an die Berliner Hauswände und Zäune zu unterbinden. In einer gewaltigen Kraftanstrengung der Polizei  wurden in der letzten Juni-Nacht 1855 sämtliche illegalen Anschläge an Berliner Häusern entfernt und ab 1. Juli waren öffentliche Informationen nur noch an den 100 zumeist aus Holz oder aus Kunststein  bestehenden Säulen der Druckerei Litfaß zugelassen. Per Polizeidekret! Dazu gehörte aber auch, öffentliche Mitteilungen der Stadt wie Verordnungen oder Depeschen  umsonst zu veröffentlichen. Ob wohl unser OB Müller bei der Ausschreibung der Säulen auch darauf geachtet hat? Der Berufsstand“ Anschlagsexpediteur“ war erfunden und Herr Litfaß wurde sehr reich. Bald war zwischen Königsberg und Aachen, Flensburg und Passau der Name Litfaß gleichsam ein Synonym für moderne öffentliche Werbung.

Die Druckereiwerkstatt Litfaß in der Adlerstrasse (da wo heute das Auswärtige Amt steht) wurde modernisiert, die 1812 von dem gebürtigen Eislebener Friedrich Koenig erfundene Zylinderschnellpresse wurde nun mit einer Dampfmaschine betrieben und das Lithographische Atelier in die Lage versetzt, große bunte Abbildungen zu drucken. 1874 starb Ernst Theodor bei einer Kur in Wiesbaden. Seine Erben genossen das Erbe und setzten dabei die Firma in den Sand, so dass ab 1880 „Nauck & Hartmann“ die Konzession für sämtliche Berliner Litfaßsäulen erhielt. Da ruhte der Senior schon sechs Jahre auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof  in der Chauseestraße und wartete auf weitere Prominente. Seit 2006 erinnert eine Litfaß-Säule in Bronze in der Münzstraße an die Stelle, da, wo einst die erste „Annonciersäule“ stand. Sozusagen das 70.001 Litfaß-Denkmal.

Arbeiten Sie doch auch an auch ihrem Nachruhm

empfiehlt mw

 

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