Alexander von Humboldt und der Orden Pour le Mérite

Dieses Jahr feiert Berlin den 250igsten Geburtstag von Alexander von Humboldt (1769–1859), der durch seine Forschung auf den Gebieten der Geographie, Geophysik, Meteorologie, Botanik, Zoologie und  Astronomie als einer der letzten Universalgelehrten gilt. Seine Reiseberichte und Weltbeschreibungen aus Mittel- und Südamerika sowie Asien sind legendär und viele Orte in fernen Weltengegenden  tragen seinen Namen, sogar eine Meeresströmung an der Westküste Südamerikas ist nach ihm benannt.

Für uns Berliner hatte  1842 Humboldt eine gute Idee, die bis ins Heute reicht : Er regte König Friedrich Wilhelm IV. dazu an, eine „Friedensklasse“ des Ordens Pour le Mérite (französisch „Für den Verdienst“) zu schaffen.

Dieser Orden hat auch heute noch ein hohes Prestige, der amtierende Bundespräsident ist seit 1952  Schirmherr  des Ordens,  der allerdings keinen offiziellen Status wie der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland hat. Auch berät der Orden nicht die Bundesregierung, wie es z.B. durch die nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina geschieht. Den Militär-Orden hatte Friedrich II. 1740 als höchste preußische militärische Auszeichnung gestiftet, der bis 1918 vergeben wurde. Alexander Humboldt hatte Friedrich Wilhelm bereits als Kronprinz auf Reisen begleitet und in wissenschaftlichen und kulturpolitischen Fragen beraten. Der neue Orden wurde in drei Abteilungen Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften und Medizin sowie Schöne Künste vergeben und auf 30 deutsche Männer und 30 ausländischer Mitglieder beschränkt, auch um den universellen Anspruch der Kultur unterstreichen. Die Mitglieder sollten sich „durch weitverbreitete Anerkennung ihrer Verdienste in diesen Gebieten (Wissenschaften und Künste) einen ausgezeichneten Namen erworben haben“. Frauen waren als Ordensträgerinnen nicht vorgesehen. Auch die Theologie wurde nicht aufgenommen, was daran lag, dass der  tiefgläubige König die Theologie nicht als Teil des Kanons jener Fächer ansah, in denen ein irdischer Erkenntnisfortschritt erzielt werden konnte.

Bis 1918 erfolgten die  Verleihungen des Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste, die auf Lebenszeit erfolgen, durch das Kaiserhaus. Nach der Revolution 1918/1919 und dem Ende der Monarchie wurde die Friedensklasse des  „Pour le Mérite“ nicht mehr als staatliche Auszeichnung verliehen. Die verbliebenen Ordensträger organisierten sich als  freie Gemeinschaft von Künstlern und Gelehrten. 1924 wurden zum Beispiel durch die Aufnahme in den Orden Gerhart Hauptmann, 1927 Max Liebermann und 1929 Käthe Kollwitz als erste Frau geehrt. Im Nationalsozialismus wurde der Orden nicht vergeben und so konnte er unbelastet 1952 auf Anregung des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss aktiviert  werden. Damals lebten noch drei Mitglieder aus der Vorkriegszeit.

Heute werden 40 in Deutschland und 40 im Ausland wirkende Männer und Frauen in den Orden berufen. Die Berufung erfolgt nach dem Tode eines Ordensmitglieds durch die Gemeinschaft. Die Ordensmitglieder treffen sich zweimal  im Jahr zum wissenschaftlichen Austausch, einmal in öffentlicher Sitzung  in zeitlicher Nähe zum 31. Mai als dem Stiftungstag des Ordens im Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt.

Jeder Berliner, jede Berlinerin  kann nach Voranmeldung diese Sitzung besuchen, in der der verstorbenen Mitglieder gedacht wird, ein Vortrag oder künstlerische Darbietung eines Mitglieds erfolgt und neue Mitglieder feierlich begrüßt werden, so wie in diesem Jahr die Theater- und Opernregisseurin Andrea Breth. Die Ordensmitglieder gedachten  des verstorbenen Physikochemikers und Nobelpreisträgers für Physik von  1967,  Manfred Eigen  (09.05.1927 – 06.02.2019), der dem Orden seit 1973 angehörte. Als Festbeitrag fand  ein Konzert mit Werken der Ordensmitglieder Sofia Gubaidulina, Heinz Holliger, György Kurtág, Aribert Reimann und Wolfgang Rihm statt.

Wir haben diese Veranstaltung die letzten Jahre gerne besucht und dabei viel gelernt. Denken Sie nächstes Jahr daran, schauen Sie im Frühjahr auf die Webseite des Ordens und melden sie sich an: http://www.orden-pourlemerite.de

Dort finden sie auch die Liste  der derzeitigen und der verstorbenen Mitglieder und Sie werden ein „Who is who“ der internationalen Kunst und der Geistes- und Naturwissenschaften  vorfinden.

Stöbern Sie ein bisschen, es ist wirklich spannend.

mw

 

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