Der Apotheker Theodor Fontane

Im Januar haben wir  hier über die vielfältigen Aktivitäten zu Fontanes  200. Geburtstag  berichtet und ein Bericht über die Sonderausstellung zur Geschichte des Apothekerberufes und des Arzneimittelwesens  im 19. Jahrhundert im Cottbuser Apothekenmuseum angekündigt (https://berlinab50.com/?s=fontane). Hier ist er nun.

Im historischen Ambiente der fast 450jährigen Löwenapotheke am Cottbuser Altmarkt ist in der liebevoll gestalteten, kleinen, aber feinen Ausstellung „Der Apotheker im Wandel der Zeit“ viel zu erfahren über den kurzen Ausflug Fontanes in die Pharmazie im Besonderen und über die Aufgaben einer Apotheke und den damaligen Arzneischatz in der Mitte des 19. Jahrhunderts im Allgemeinen.

Fontane gab schon 1849 mit nur 30 Jahren seinen Apothekerberuf auf, der ihn als angestellten Apotheker eine, wenn auch bescheidene, doch sichere Existenz geboten hätte. Er wollte  seinen  literarischen Neigungen nachgehen, die er seit seiner Lehrzeit verfolgte, und nicht nur davon träumen. Die Ausstellung zeigt  die Apotheke „Zum weißen Schwan“ in der Spandauer Straße in Berlin, wo Fontane bis 1840 seine vierjährigen Ausbildung zum Apothekergesellen absolvierte, und Apotheken in Berlin, Dresden und Leipzig als Orte seiner Gesellenwanderschaft, die 1847 endete.Fontane schrieb in dieser Zeit erste Aufsätze und Gedichte. Er  fand Kontakt zum liberalen Schriften Karl Gutzkows, der wie andere Dichter der literarischen Bewegung „Junges Deutschland“ auf gesellschaftliche und politische Missstände aufmerksam machte. In diese Zeit fallen auch die  ersten Publikationen und der Beitritt Fontanes in literarische Vereine („Tunnel über der Spree“). Wer über diese Apotheker-Zeit mehr wissen will, dem sei  die 1898 erschienene autobiographische Schrift Fontanes „Von Zwanzig bis Dreißig“ empfohlen.

1847  erhielt Fontane die Approbation als „Apotheker erster Klasse“, aber bereits zwei Jahre später beendete er am 30.9.1849 seine Tätigkeit als Apotheker im evangelischen Bethanien Krankenhaus, um als freier Schriftsteller und Übersetzer (Englisch) seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ein kühner Schritt! In den nächsten Jahren arbeitete Fontane auch als Mitarbeiter im „Literarischen Kabinett“ (eine Stelle, die die regierungsamtlichen Presse organisierte), war Journalist und Theaterkritiker, aber das Geld war immer knapp. Er heiratete seine Jugendliebe, das Paar hatte  zwei Kinder und die finanzielle Lage war weiterhin prekär. Erst mit seiner Anstellung bei der Adler-Zeitung, für die er nach London reiste, besserte sich die Situation. In den folgenden Jahren lebte er in Berlin und London und schrieb zeitweise von Kopenhagen und Paris für die Berliner Zeitungen. Als Journalist, zunächst im preußischen Staatsdienst, dann als Zeitungsredakteur, zuletzt als Theaterkritiker fasste er so Fuß in der literarischen Welt. Ab 1861 erschienen seine „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. Richtig berühmt und anerkannt wurde er erst mit seinen späten Romanen wie „Vor dem Sturm“ (1878), „Irrungen, Wirrungen“ (1888), „Effi Briest“ (1895) und „Der Stechlin“ (1897).

Wenn sie nun erwarten, dass Fontanes Apothekerdasein sich in seinen Romanen niederschlägt, so muss ich Sie enttäuschen: Der einzige Roman Fontanes, in dem ein Apotheker vorkommt ist „Effi Briest“. Der dort auftretende Dr. Alonzo Gieshübler verbindet berufliche Gewissenhaftigkeit mit Empathie  und ist Effi Briests Vertrauter  inmitten einer verständnislosen Umwelt. Fontane setzte so nach fast 50jähriger Distanz seinem erlernten  Beruf ein sympathisches Denkmal.

mw

 

Die Ausstellung ist noch bis 30.Dezember 2019 zu sehen. Das Museum kann allerdings nur mit einer Führung besichtigt werden!

Dienstag bis Freitag 11.00 Uhr und 14.00 Uhr
Samstag und Sonntag 14.00 Uhr und 15.00 Uhr
oder nach Vereinbarung
Brandenburgisches Apothekenmuseum in Cottbus e.V.
Altmarkt 24
03046 Cottbus
T.  +49 (0) 355/2 39 97
info@brandenburgisches-apothekenmuseum.de
https://www.brandenburgisches-apothekenmuseum.de/

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