Der Österreicher Bert Brecht

Auch dieses Jahr finden die Salzburger Festspiele  sechs Wochen lang –  vom 20.Juli bis zum 31. August 2019 –   mit einem großartigen Programm statt                                                       ( https://www.salzburgerfestspiele.at/).  Die 1920 von Max Reinhard gemeinsam mit Hugo von Hofmannsthal gegründeten  Festspiele  bespielen die ganze Stadt einschließlich des Domplatzes, dem jährlichen  Aufführungsort des mittelalterliche Mysterienspiel des „ Jedermann“.

Screenshot Website Salzburger Festspiele

Salzburg, Domplatz und Festung

Vor 67 Jahren sollte auch ein Brecht-Drama aufgeführt werden, der „Salzburger Totentanz“. Doch dazu kam es nie. Warum, fiel mir  neulich auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof am Grabe BBs wieder ein.

Die Ausstellung im Salzburger Domquartier über die heimliche Einbürgerung Bert Brechts  im Jahr 1950 durch die Salzburger Landesregierung hatte ich im Winter gesehen:

Ausstellungsvitrine, Salzburg 2018/19

Brecht, der von den Nationalsozialisten ausgebürgerte deutsche Dichter, überlebte  als Staatenloser in der Emigration. Bereits  1948 hatte er, anlässlich seiner Kontakte zu den Salzburger Festspielen, einem Mitglied des Direktoriums, dem Komponisten  Gottfried von Einem mitgeteilt, dass er Interesse an einer  dauerhaften Niederlassung in Salzburg habe. Auch Helene Weigel, die Brecht in seinem Exil begleitete, war ja Österreicherin. Da von Einem an der Mitarbeit Brechts – er hatte ein Auftragswerk versprochen – sehr interessiert  war, erhielt Brecht auf seine Vermittlung hin im April 1950 „in aller Stille“ die österreichische  Staatsbürgerschaft. Geplant war ein Drama, der  „Salzburger Totentanz“,  eine Art Gegen-Jedermann,  das allerdings nie vollendet wurde.  Als die Einbürgerung durch eine Indiskretion Ende 1951 bekannt wurde, gab es einen großen Skandal, verband das katholische und konservative, eben noch zu Groß-Deutschland gehörende Land doch Brecht mit dem Bolschewismus. Von Einem verlor dadurch seinen Job im Direktorium der Salzburger Festspiele.  Der kalte Krieg hatte ja gerade begonnen und so blieb es nicht aus, dass in den Medien Brechts Einbürgerung  als „kulturbolschewistische Atombombe„  bezeichnet wurde.

gesehen in der Salzburger Ausstellung 2018/19

Brecht lebte bereits seit 1948 als  „Staatsdichter“  in Ost-Berlin, bekannte sich zum sozialistischen Deutschland und hatte überhaupt nicht vor, nach Salzburg zu ziehen. Zwischen 1953 und 1963 wurden daraufhin zu einem Brecht-Boykott an den Wiener Theatern aufgerufen und  in den Westsektoren wurde keines seiner Stücke mehr  aufgeführt. Wien war ja noch bis 1955 in Sektoren geteilt, so dass Manfred Wekwerth 1953 nur am „Neuen Theater in der Scala“, das im sowjetischen Sektor lag,  „Die Mutter“ mit Helene Weigel, Ernst Busch und Otto Tausig inszenieren konnte.  Erst 1966 erfolgte in der Regie von Kurt Meisel eine Aufführung Brechts „Leben des Galilei“ am Wiener Burgtheater, mit Curd Jürgens in der Titelrolle.

Burgtheater Wien

Brecht blieb österreichischer Staatsbürger bis  zu seinem Tode am 17. August 1956. Damit war Bert Brecht in der DDR „Devisenausländer“ und musste seine Tantiemen aus Aufführungsrechten im kapitalistischen Ausland nicht in DDR-Mark  umtauschen, wie es bei  DDR-Künstlern üblich war, sondern konnte Konten im Westen unterhalten.

Naja, auch bei Brecht kam erst das Fressen und dann die Moral.
meint mw

 

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