Ein Lift fürs Schiff

36 Meter Höhenunterschied – auf einem Kanal! Das ist ungefähr die Höhe eines 10 stöckigen Wohnhauses. Nur schwer vorstellbar, wie  Schiffe das auf dem Oder-Havel-Kanal bewältigt haben, dieser wichtigen Wasserverkehrsstraße zwischen Stettin/Polen und Berlin. Die Lösung ist –  ein Lift! Was für eine irrwitzige Idee, dachte ich und  wollte mir diesen Aufug unbedingt ansehen.

Der Oder-Havel-Kanal in Niederfienow (c) WSV.de

Da der Musiksommer Chorin jedes Jahr auf unserem Plan steht, wollten wir dieses Jahr unser Konzertvergnügen mit einem Besuch in Niederfinow verbinden – und nahmen unsere Räder mit.

Ausgangspunkt war das Kloster Chorin. Die vorher ausgesuchte Radroute fanden wir zwar nicht, aber vielleicht  waren wir gerade deswegen fast alleine unterwegs –  auf wunderschönen Wege durch einen Märchenwald im Choriner Waldhügellandschaft.  Kaum aus dem Wald raus, konnten wir unsere Räder abwärts laufen lassen und da kam das imposante Bauwerk um die Ecke: das Schiffshebewerk Niederfinow.

Das neue Schiffshebewerk Niederfienow Nord

Das Schiffshebewerk Niederfinow

1912 wurde eine vierstufige Schleusentreppe in Niederfinow, im Landkreis Barnim/ Brandenburg, gebaut, die bis 1972 parallel zu dem Schiffshebewerk in Betrieb war. Vier Schleusen, das kostet  viel Zeit. Also wurde dringend nach einer neuen Lösung gesucht. Im Sommer 1925 begannen die ersten Arbeiten für ein Hebewerk, also einen Lift für die Schiffe auf dem Oder-Havel-Kanal. Dieser aufwendige Bau eines Schiffshebewerkes dauert bis März 1934, begleitet von viel Skepsis und von mindestens genauso vielen Diskussionen. Vorbild war das Kahnhebehaus von Halsbrücke aus dem Jahr 1789, das erste Senkrechthebewerk der Welt.

Ein Baudenkmal der Industriekultur, für mich eine Entdeckung. Für alle, die in der DDR aufgewachsen sind, vermutlich altbekannt, denn ein Besuch war für alle Schüler in Ostberlin und Brandenburg ein Pflichtbesuch.

Die alte Staustufe wurde  vor 85 Jahren mit diesem alte Hebewerk umgangen, das nun spätestens 2025 stillgelegt werden soll.  Dann hat es über neun Jahrzehnte Schiffe von unten nach oben und von oben nach unten gehievt. Das neue Hebewerk wurde 2009 begonnen und soll voraussichtlich 2020 in Betrieb genommen. Jährlich überwinden 20.000 Wasserfahrzeuge – vom Ausflugsdampfer bis zum Lastenkahn – den 36 Meter hohen Geländesprung im Oder-Havel-Kanal. Voll Achtung und Respekt beobachten alle Zuschauer das Geschehen und kommen aus dem Staunen kaum raus.

Was für eine enorme Leistung,  nicht nur den Höhenunterschied zu bewältigen, sondern überhaupt auf den Gedanken zu kommen, die Schiffe in einem Trog wie in einem Lift hochzufahren  und oben auf dem Kanal weiterfahren zu lassen –  ich bin von dieser technischen Meisterleistung  sehr beeindruckt.

Leider hatten wir nicht genügend Zeit, um auf die Besucherterrasse zu gehen, aber wir kommen wieder, um dieses Industriedenkmal genauer zu bestaunen. Spätestens im nächsten Jahr zum Choriner Musiksommer.

Falls Sie es dieses bauliche Meisterwerk nicht kennen, kann ich Ihnen einen Besuch nur wärmstens empfehlen – mit oder ohne Konzert im Kloster Chorin.

go

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