Gruß aus…

Die Postkarte hatte gestern ihren 150.Geburtstag und sie existiert, trotz aller elektronischer Konkurrenz und ständiger Portoerhöhung, immer noch.

Die erste „Correspondenzkarte“ wurde am 1. Oktober 1869 in Österreich auf den Weg gebracht. Was wir uns heute kaum vorstellen können: Dies war  ein durchaus revolutionärer Akt. Denn über Jahrhunderte hinweg war man nicht gewöhnt, offene Nachrichten der Post anzuvertrauen, Nachricht sind persönlich und geheim! Dies war auch der Grund, weshalb Heinrich Stephan  seine Idee vom „offenen Postblatt“ erst am 1.Juli 1870 verwirklichen konnte, als er nämlich Generalpostmeister des Norddeutschen Bundes wurde.  Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71  gab es dann sogar die portofreie Feldpostkarte, die von der breiten Bevölkerungsschicht fleißig verschickt wurde und so war der Siegeszug des „postalischen Lebenszeichens“ nicht mehr aufzuhalten. 1874 beförderte die Deutsche Reichspost bereits mehr als 112 Millionen Bildkarten, 1954 waren es schon 920 Millionen. Selbst heute werden noch 225 Millionen Ansichtskarten verschickt.

Postkarte, geschrieben und verschickt am 01.01.1900

Die ersten Postkarten hatten das Adressenfeld auf der einen, ein Bild auf der anderen Seite, „Gruß aus…“ war bereits aufgdruckt.  Ab 1905 war es erlaubt, ein wenig Text auf der Adressenfeldseite zu schreiben, so wie wir es heute noch kennen.

Postkarte, verschickt am 27.Juli 1906

Das „Goldene Zeitalter der Postkarte“ wurde durch die rasante technische Entwicklung vom Steindruck zur Autotypie, vom Schwarzweiß-Lichtdruck zum Farbdruck ausgelöst und so gab es 1904 bereits 55 Lithographische Anstalten in Berlin.

Postkarte geschrieben und verschickt am 22.09.1916

Nirgendwo in der Welt wurden so viele Postkarten geschrieben und verschickt wie in Deutschland und dies zu allen Gelegenheiten:  zu Ostern, zu Pfingsten, zu Weihnachten und zum Neuen Jahr,  zum Geburtstag, zur Taufe und zur Hochzeit…. Und auch die sogenannte Juxkarte fehlte nicht.

Postkarte, Ost-Berlin, 1956

Postkarte, Schottland, 2018

Ich liebe Postkarten – zu erhalten, aber auch zu verschicken. Es sind kurze Mitteilung, die für mich mehr aussagen als eine „short message“ auf dem Handy.  Der Absender hat sich schließlich  zu allererst überlegt, dass er mir eine Karte schicken will und  dann welches Motiv. Auch wenn es vielleicht ein spontaner Entschluß vor einem Postkartenständer war,  muss er den Weg zur Kasse einschlagen, sie bezahlen und sich um eine Briefmarkte bemühen.  Zumindest ein, zwei Minuten lang muss sich der Absender damit beschäftigen, was er mir schreiben will, er muss meine Adresse wissen oder finden – und wenn das alles geschafft ist, geht die Suche nach dem Postkasten los. Also schenkt mir der Schreiber dieser Postkarte, die auf mich irgendwann in meinem Briefkasten wartet, für eine kurze Zeit eine intensive Aufmerksamkeit –  ein Grund, weshalb ich mir alle erhaltenen Postkarten aufhebe und erst wenn die erste Weihnachtspost eintrifft, wird die Sommerpost entsorgt.

In diesem Sinne, happy birthday und ein langes Leben!

go

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