Wenn’s dem Esel zu wohl ist, geht er aufs Eis…

Vor drei Jahren berichteten wir hier unter der Überschrift „Tattoo for ever“ über die -im Sommer besonders augenscheinliche- Zunahme von Tätowierungen   und den sich aus dem Verfahren  ergebenden Risiken ( https://berlinab50.com/2016/07/27/tattoo-for-ever/).

Wie bereits damals geschrieben, gehören neben Infektionen  Allergien zu den häufigsten und schwerwiegendsten Nebenwirkungen von Tätowierungen. Aber auch kanzerogene Wirkungen der Farbstoffe, die nicht für diesen Zweck geprüft wurden (meist Autolack-Pigmente), werden schon lange diskutiert. Und nun gibt es erste Beweise für das Vorkommen solcher Stoffe in der Haut und in den Lymphknoten von Tätowierten (https://www.tagesspiegel.de/wissen/tattoos-heisse-bilder-und-manchmal-auch-schmutzige-farben/23988830.html). Das scheint aber der zunehmenden Verbreitung des Körperschmucks durch Tattoo-Tinten und Permanent Make-up nicht zu behindern. Studien zur Häufigkeit von Erkrankungen und zu Langzeitwirkungen von Tätowiermitteln fehlen, obwohl seit fast 30 Jahren Tattoos einen Siegeszug ohnegleichen angetreten haben. Trotzdem gibt es, wie Peter von Becker im Tagesspiegel vom 21.06.2019 bemerkte,  bis heute breite keine gesellschaftliche Debatte über die gesundheitlichen Folgen des Tätowierens.   Inzwischen ist  jeder vierte Deutsche über 18 Jahre tätowiert und jeder Zehnte bereits wieder mit seinem Tattoo unzufrieden.

Zu den Risiken gehört auch, dass bei großflächigen dunklen Tätowierungen eine Krebsvorsorge (Melanomerkennung) kaum möglich ist und Sonnenbrand nicht bemerkt wird. Seit Jahren versuchen einige Nationalstaaten in der EU durch Regelungen die Verwendung der eingesetzten  Tätowiermittel zu reglementieren, in sieben Ländern – darunter Deutschland –  gibt es Regelungen, die bestimmte Farben/Pigmente verbieten. 2003 und 2017 gab es dazu Entschließungen des Europarates, die zu europaweitem Handeln aufforderten. 2017 wurde endlich von der Europäischen Chemikalienagentur in Zusammenarbeit mit einigen Mitgliedsstaaten ein Vorschlag zur „Einschränkung des Inverkehrbringens von Tattoo-Tinten und Permanent Make-up“ eingereicht, der sich derzeit in Abstimmung in der EU befindet. Zu den Stoffen, deren Verwendung beim Tätowieren zukünftig europaweit verboten sein sollen,  gehören dann krebserzeugende, erbgutverändernde und fortpflanzungsgefährdende Stoffe, Hautsensibilisatoren oder Reizstoffe, Stoffe, die das Auge ätzen oder schädigen, Metalle sowie andere auch in Kosmetikprodukten geregelte Stoffe. Derzeit befasst sich die Europäische Kommission  mit dem Vorschlag, um einen Verordnungsentwurf vorzulegen. Wird der  Beschränkungsvorschlag  in der derzeit vorgeschlagenen Fassung angenommen, treten die Anforderungen an Tattoo-Farben ein Jahr nach Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union in Kraft, vermutlich 2021. Das European Environmental Bureau (EEB) unterstützt die rasche Umsetzung. (https://www.env-health.org/wp-content/uploads/2019/10/Tattoos-REACH-committee-letter_final.pdf)

Doch was ist, wenn das Tattoo nicht mehr gefällt? Gängigste Methode ist  die Laserbehandlung zur Tattoo-Entfernung, die von  1,2 Millionen Patienten jedes Jahr  in Anspruch genommen  wird. Doch auch dies ist mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Dass die Gefahr  real ist, wurde durch eine Arbeitsgruppe des BfR in Berlin jetzt bewiesen, wie der Deutschlandfunk am 15.09.2019 berichtete. Demnach entsteht durch Laserlicht z.B. aus einem blauen Pigment in Tattoos Blausäure und das krebserzeugende Benzol, aus einem orangenen Farbstoff Anilin und ein chloriertes Benzidin, beides ebenfalls krebserzeugend, usw. und so fort.  Doch auch bereits beim Tattoo-Stechen werden durch Weißpigmente wie Titandioxid die Stahllegierung der Tätowiernadeln abschmirgelt, wodurch chrom- und nickelhaltige Partikel (Allergene!)  aus der Nadel-Legierung in den Körper gelangen und sich in den Lymphknoten ablagern können. Doch zurück zur Laserbehandlung.

Da bisher keine besondere Sachkunde bei der Laser-Tattoo-Entfernung notwendig war (nur Laserschutzkurs), kann derzeit jeder, der 10.000 Euro für ein Lasergerät bezahlen kann, ein „Studio zur Tattoo-Entfernung„ betreiben. Dass hier Handlungsbedarf besteht, wurde erkannt und so beschloss der Bundesrat Oktober 2018, dass nur Ärzte mit entsprechender Fachkunde in Zukunft Tattoos entfernen dürfen. Damit ausreichend Zeit besteht, um  die Fachkenntnisse zu vermitteln, tritt die Neuregelung erst Ende 2020 in Kraft.

Was rät die EU Kommission den Bürgern, die sich ein Tattoo zulegen wollen: „Wenn Sie sich eine neue Tätowierung wünschen, recherchieren Sie nicht nur über die Fähigkeiten der Tätowierer und die Maßnahmen, die sie ergreifen, um Infektionen zu vermeiden, sondern auch über die Tattoo-Tinten, die sie verwenden. Holen Sie sich alle Informationen, scheuen Sie sich nicht, Fragen zu stellen! Ihre Tätowierer sollten in der Lage sein, Ihnen umfassende Informationen über die verwendeten Tinten zu geben, einschließlich Beschaffungsdetails, möglicher Gesundheitsrisiken und der Einhaltung der relevanten Gesetze und Vorschriften.“

Wie man hört, arbeitet ein Start-up in Berlin-Prenzlauer Berg bereits an  klimaneutral hergestellten, genfreien und  veganen Tattoomitteln ohne jegliche chemische Stoffe, dafür aber garantiert Lactose- und Glutenfrei in aktuell modischen Farben. Wenn das keine gute Nachricht ist.

Darauf freut sich

mw

 

 

 

 

 

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