Der ungewohnte Menzel – auf Papier

Schutzmann im Winter, um 1860

Dieser frierende Schutzmann ist seit 2019 wieder zurück im Kupferstichkabinett, wo er zwischen 1891 bis 1945 in der „Sammlung der Zeichnungen“ der Nationalgalerie zuhause war. 1945 geriet in den Kriegswirren in Verlust.  Genauso wie die „Dame im Coupé“.  Auch sie konnte 2019 nach über 70 Jahren wieder neben ihrem Mann im Eisenbahncoupé Platz nehmen.

Dame im Coupé & Herr im Coupé, 1859

Mit 100 Werken in Aquarell, Pastell und Gouache wird erstmals ein Überblick über Adolph Menzels malerische Arbeit auf Papier gezeigt. Von der experimentellen Einzelstudie bis hin zur durchkomponierte Malerei.

Besonders fällt auf, dass Menzel offensichtlich eine besondere Freude an komplizierter Perspektive hatte –  je kompliziertes, desto lieber hat man den Eindruck.

Das Opernglas, 1853

Der Blick auf das Geschehen des Aschermittwochs ist meine große Überraschung: Es erinnert mich an Gustav Caillebottes „Boulevard Haussmann bei Schnee“ 1879/81,  der Blickwinkel wirkt aber bei Menzel noch extremer, ein geradezu fotografischer Ausschnitt. Die Faszination des neuen Mediums Fotografie scheint also auch ihn erfasst zu haben. Was für ein ungewöhnlich moderner Menzel! Und ich hatte bis jetzt vor allem seine historischen Gemälde im Kopf.

Aschermittwochmorgen in der Hildebrandschen Privatstrasse zu Berlin, 1885

1885 für die „Sammlung der Zeichungen“ vermutlich bei Menzel direkt erworben, ging dieses Blatt 1945 verloren und  hing von 1948 bis 2014 im Litauischen Kunstmusuem Vilnius. Seit 2014 ist das Aquarell zurück im Kupferstichkabinett – Was für ein Glück!

Menzels großartige Beobachungsgabe und sein Humor werden in dieser Ausstellung, die noch bis 19.Januar 2020 im Kupferstichkabinett im Kulturforum zu sehen ist, besonders deutlich. Dieser „Menzel auf Papier“ macht seine künstlerische Raffinesse und die Beherschung seines Handwerkes in allen künstlerischen Techniken – auch in  Auqarell, Pastell und Gouache – deutlich.

Diese Ausstellung ist ein ungetrübte Vergnügen, das ich Ihnen sehr ans Herz legen möchte . Sie werde gut gelaunt und beschwingt das Kupferstichkabinett wieder verlassen.

 

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