Familientreffen der Madonnen

Advent, das Warten aufs Christkind, das Weihnachtsfest  und Maria mit Kind gehören einfach zusammen. Vielleicht auch aus diesem Grund wählt die Berliner Gemäldegalerie den 13.Dezember 2019 als Eröffnungstermin für ihre neue Sonderausstellung „Raffael in Berlin – Die Madonnen der Gemäldegalerie –  auch wenn der Todestag von Raffael sich erst am 6. April 2020  zum 500.Mal jährt.

Madonna mit den Nelken (The Madonna of the Pinks / La Madonna dei Garofani), um 1507 © The National Gallery, London

Fünf Madonnenbilder aus dem Bestand der Berliner Gemäldesammlung werden durch Leihgaben der National Gallery in London und des Berliner Kupferstichkabinetts ergänzt. Die sonst nicht gemeinsam ausgestellten Madonnen werden sich hier zum ersten Mal seit langer Zeit wieder begegnen und durch die ausgewählten Leihgaben  neue Perspektiven eröffnen. So wird das Tondo der „Madonna Terranuova“ (um 1505) erstmals mit Raffaels Zeichnung des Kopfes der Madonna aus dem Kupferstichkabinett in einen Dialog treten.  

Raffael, Maria mit dem Kind, Johannes dem Täufer und einem Heiligen Knaben (Madonna Terranuova), um 1505 © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders

Raffael, Kopf der „Madonna Terranuova“, Fragment des Kartons, um 1505 © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Dietmar Katz

 

 

 

 

 

 

 

Zum zweiten Mal in diesem Jahr ist ein Gemälde der National Gallery London Ehrengast in der Gemäldegalerie Berlin. War es Anfang des Jahres „Der Doge Leonardo Loredon“ von Giovanni Bellini, ist es ab 13.Dezember 2019 Raffaels „Madonne mit den Nelken“ (1506-08). Sie bildet ein Highlight der Sonderausstellung zum Gedenken des 500. Todestages Raffaello Sanzio da Urbino (* 6. April oder 28. März 1483 in Urbino, † 6. April 1520 in Rom), einem der bedeutendsten Künstler der italienischen Renaissance, und verlässt England zum ersten Mal seit ihrem Museumsankauf 2004. Erinnern Sie sich noch an die heißen Diskussionen  um dieses Bild? Nach dem spektakulären Ankauf für 22 Mio Pfund mit Hilfe zahlreicher Fonds von Stiftungen und privaten Spenden wurden skeptische Stimmen laut, dass es sich lediglich um eine Kopie handele. Dem widersprach die National Gallery damals vehemt.  Bis zum 26. April 2020 können Sie nun die Madonna in Berlin bewundern und sich selbst davon überzeugen, ob es ein „echter Raffael“ ist.

Raffael malte dieses Andachtsbild kurz bevor er Florenz verließ und 1508 nach Rom ging. Inspiriert wurde er von berühmten Kompositionen Leonardo da Vinci, dessen 500.Todestag sich 2019 jährte: Die „Madonna Benois“ (1478-80), die sich heute in der Eremitage in Sankt Petersburg befindet, und die „Madonna mit der Nelke“ (1473-78), die in der Alten Pinakothek in München hängt.

Die Berliner Sonderpräsentation führt uns jenen „jungen Raffael“ vor Augen, der bei Gründung des ersten Museums in Berlin 1830 heiß begehrt war.  Deutlich werden soll dem Zuschauer die Ausstellungsgeschichte der Raffael-Madonnen vom Königlichen Museum Unter den Linden (heute: Altes Museum) über das Kaiser-Friedrich-Museum (heute: Bode-Museum), der Nachkriegszeit in Dahlem bis heute. Nicht zuletzt rückt dabei auch die interessante Frage der Rahmung der Gemälde von Karl Friedrich Schinkel bis heute in den Fokus. Die Ausstellung zeigt damit auch die frühe Erwerbungspolitik der Gemäldegalerie und zeigt uns den Raffael, den Preußen im 19. Jahrhundert aus ihm gemacht hat, ohne den zeitlosen Raffael, als Schöpfer von Bildern vollkommener Schönheit und Harmonie, zu negieren.

Parallel zur „Madonnen“-Ausstellung zeigt das Kupferstichkabinett in der Gemäldegalerie vom 14. Januar bis 26. April 2020Das Leben Raffaels“  in zwölf Radierungen von Johannes Riepenhausen aus dem Jahr 1833. Fortgesetzt wird die Reihe vom 28. Februar bis 1. Juni 2020 mit „Raffael in Berlin. Meisterwerke aus dem Kupferstichkabinett“: Die kleine, aber bedeutende Gruppe eigenhändiger Zeichnungen des Künstlers wird gemeinsam mit Werken seines Lehrers Perugino und seiner wichtigsten Schüler und Mitarbeiter präsentiert.
Im Gobelinsaal des Bode-Museums hingen bis zum Zweiten Weltkrieg neun Raffael-Tapisserien der Apostelgeschichte, die leider verschollen sind. Hier findet am 6. April 2020 ein Festakt zum Raffael-Todestag statt, in dessen Rahmen eine historische Dokumentation des Gobelinsaals als Raffael-Saal vorgestellt wird. Die rund 100-jährige wechselhafte Geschichte der neun Raffael-Tapisserien im Bode-Museum wird in einer neu erscheinenden Publikation  nacherzählt.

Eine schöne Adventszeit und viel Vergnügen beim Madonnentreffen wünscht

go

 

Auf einen Blick

Raffael in Berlin: Die Madonnen der Gemäldegalerie
13. Dezember 2019 bis 26. April 2020
Gemäldegalerie im Kulturforum https://www.smb.museum/ausstellungen/detail/raffael-in-berlin.html
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 – 18 Uhr, Samstag, Sonntag und feiertags 11 bis 18 Uhr, donnerstags 11 bis 20 Uhr
Eintritt: 10 Euro, ermäßigt 5 Euro

 

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