Mondgeschichten

Vor 50 Jahren – am 16. Juli 1969 – betraten bei der Apollo 11-Mission mit Neil Armstrong und Edwin Buzz Aldrin zum ersten Mal Menschen den Mond. Viele Sendungen und Kommentare gedachten im Sommer dieses historischen Datums. Der Mond als  einziger natürlicher Satellit und nächster Nachbar der Erde hat mit seinem nächtlichen Leuchten seit jeher Menschen aller Epochen und Kulturen fasziniert.

Giovanni Antonio Canal, gen. Canaletto, La Vigilia di S.Pietro, 1758/62, Gemäldegalerie Berlin

Der Mond war im Mittelalter und in der frühen Neuzeit ein wichtiges Symbol für die Reinheit Mariens. Die  Sichel war gleichzeitig ein Sinnbild für den weiblichen Zyklus und Marias  jungfräuliche Schwangerschaft. Mythos, Religion und Astrologie beherrschten das Bild vom Mond. Die Lehrmeinung der Kirche verband die hell leuchtende Mondoberfläche des Vollmonds mit  göttlicher und  jungfräulicher Reinheit, obwohl mit bloßem Auge helle und dunkle Flecken zu erkennen sind, die aber damals als Schatten oder Spiegelungen gedeutet wurden. So steht bei Werken Dürers, Altdorfers oder von Stefan Lochners Maria auf der Mondsichel, die  als Zeugnis ihrer Unbefleckten Empfängnis dient, so wie der Mond das Licht nur reflektiert, aber nicht selbst erzeugt. Nach anderer Auslegung geht das Symbol der Mondsichel  auf eine Textstelle in der Offenbarung des Johannes zurück.  Hier wird eine Frau mit dem Mond unter ihren Füßen als Himmelserscheinung beschrieben, die Maria, die  Mutter Jesu und die  Himmelskönigin (lat. regina caeli) sein soll, die sogenannte „Mondsichelmadonna“.

Mondsichelmadonna am Haus des Weihbischofs Johannes Bonemilch von Lasphe, Rektor der Universität Erfurt, Ende 15. Jhd.

Dann erfand im Jahr 1608 der deutsch-niederländischen Brillenmacher Hans Lipperhey das Fernrohr (oder Teleskop) und die Auswirkungen auf die darstellende christliche Kunst der damaligen Zeit  waren enorm. Denn als durch die Teleskope der Mond dann genauer betrachtet werden konnte, stürzten die entdeckten rauen Landschaften  mit Bergen, Tälern und Kratern die Lehrmeinung der Kirche  in eine tiefe Krise – und damit auch die Mariendarstellungen.  Ab Mitte des 17. Jahrhunderts gibt es folgerichtig keine Abbildungen Mariens mit dem Mond mehr.  Schinkel nahm später das Motiv für die „Königin der Nacht“ in seinem Bühnenbild-Entwurf zu Mozarts „Zauberflöte“auf.

Die Sternenhalle der „Königin der Nacht“, Bühnenbild-Entwurf zu Mozarts ZAUBERFLÖTE von K.F.Schinkel

1609 richtete Galileo Gallei dann sein Fernrohr auf den Mond und sah, dass der Mond eine erdähnliche Kugel mit einer gestalteten Landschaft ist. Die Landschaftsmaler des 17. Jahrhunderts stellten den Mond  zwar naturwissenschaftlich präzise und realistisch dar (wie Canaletto), aber von nun an galt die Anziehungskraft des rund 385.000 Kilometer entfernten Mondes  den Malern,  Mystikern, Romantikern, Schriftstellern, Musikern und Filmemachern eher als poetische Metapher denn als naturwissenschaftliches Studienobjekt. In den Berliner Gemäldegalerien aller Kunst-Epochen (Renaissance über Barock bis zu Romantik, zum Blauen Reiter und zu den Surrealisten)  sind wunderbare Werke zu sehen, die zeigen, wie Künstler sich mit dem Mond zu ihrer Zeit auseinandergesetzt haben. Oder denken Sie nur an  David Bowie, der mit Space Oddity 1969 auf Weltraumreise ging oder an  Stanley Kubrick, der 1968 mit „2001: A Space Odyssee“ den erfolgreichsten Science Fiktion Film erfand.

Zwei Männer in Betrachtung des Mondes, C.D.Friedrich, 1819/20, Alte Nationalgalerie Berlin

Die Mondsehnsucht schien nach Apollo 11 abgeklungen zu sein, der Mars lockte. Doch bereits seit 2009 erstellt der Lunar Reconnaisance Orbiter der NASA wieder hochaufgelöste  dreidimensionale Karten der Mondoberfläche, die für eine erfolgreiche Landung Voraussetzung sind. Seit 2013 ist China bei der zweiten Monderoberung dabei und setzte  den Rover Yutu auf die Oberfläche.  Im Januar 2019 landete zum ersten Mal mit der chinesischen „Chang’e 4“ eine Sonde auf der Rückseite des Mondes, die für uns von der Erde nie sichtbar ist. Und noch in diesem Jahr will China eine eigene Sample-Return Mission zum Mond durchführen. Ziel aller Missionen: die Rückkehr des Menschen zum Mond. Was lockt aber den Menschen  in diese Steinwüste ohne Atmosphäre, ohne Wasser, ohne Temperaturausgleich, ohne Leben, ohne Licht, ohne Dämmerung, ohne Schall, ohne Abschirmung kosmischer Strahlung, ohne Wetter und Wind? Ehrgeiz? Wohl eher Besitznahme und Status und ein neues Top-Reiseziel für Superreiche. Private Raumfahrtunternehmen in den USA wollen demnächst Reisen zum Mond anbieten.

Mondaufgang

Der Mond kann ohne uns auskommen, wir aber nicht ohne  Mond. Die Anziehungskraft des Mondes hat entscheidenden Einfluss auf die Erde. Ohne Mond würde Ebbe und Flut geringer ausfallen, da sie dann nun noch von der Anziehungskraft der Sonne und von der Erdrotation abhängen. Durch die Verringerung der Gezeitenbremse  wäre in der Folge ein Tag nur noch 15 Stunden lang.  Dazu kommt die Stabilisierung der Erdachse durch die Anziehungskraft des Mondes, die verhindert, dass die Erdachse  zwischen 0 Grad und 85 Grad schwankt (jetzt nur zwischen 22-25 Grad). Die Folge wären enorme Klimaschwankungen.

Am 12. Dezember ist wieder Vollmond. Vielleicht sehen Sie ihn ja, den Mann im Mond. Ein Blick zum Himmel ist es wert

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