Berlin ab 50…

… und jünger

Lauter alte Leute

„Gehst Du zu dieser Geburtstagsfeier?“ fragte ich meine Mutter und hörte, was ich schon erwartet hatte: „Nein, da sind doch nur lauter alte Leute„. Bestimmte Einladungen und Veranstaltungen – Geburtstage, Lesungen, Kaffeeeinladungen  etc. – verweigerte meine damals 70jähre Mutter immer mit dem gleichen Argument. Ich fand dies mit meinen 40 Jahren etwas übertrieben, schließlich fand ich aus meinem Blickwinkel eine 70jährige  –  bei aller Fitness – doch auch der Gruppe „der Alten“ zugehörig.

Nun bin ich in einer Reha  – mit gefühlt „lauter uralten Leuten“. Mit meinen 64 bin ich im Kreise der vielen 70plus Patienten vermutlich eine der Jüngsten.  Und ich gebe zu, meine Mutter hatte Recht. Wenn man alt ist, muss man sich mit jungen oder zumindest jüngeren Menschen umgeben. Mein Blick während des Frühstück, Mittag- und Abendessen ist wie ein Blick in einer Zerrspiegel der Zukunft. Werde ich auch so aussehen, mich so verhalten, so eingeschränkt sein?

Es ist nicht motivierend, seine Altersgruppe hier an diesem Ort zu beobachten – beim Essen, beim Sport, bei Vorträgen und Fragen etc.. Vielleicht denken die anderen genauso von mir, egal, es macht mich nicht fröhlich. Ein Geschwader von Rollstühlen, mit und ohne Motor, Gehhilfen, Stöcke, Rollatoren mit „Knie“ und „Hüfte“, dazwischen ein paar „Kardios“, die ganz gut zu Fuß sind, kommt mir aus dem Restaurant früh, mittags, abends entgegen – ein erschreckendes Bild. Erst wenn ich den einen oder anderen lachen und reden höre, verändert sich das Zerrbild. Nicht so sehr „Kleider machen Leute“, sondern die Sprache, die Gestik und Mimik macht aus der amorphen Gruppe der Greise Individuen entstehen.

Sobald ich kann, gehe ich „an die Luft“ – in einen kleinen Park. Gestern stand da eine Gruppe Jugendlicher – noch nie war ich so beglückt über diesen „Generationswechsel“ – genauso wie es mich fröhlich stimmt, wenn ich die jungen Männer, die hier ihr Freiwilliges soziales Jahr absolvieren, sehe oder das 6 Wochen alte Enkelkind einer Tischnachbarin  vorgestellt bekomme. Wie Recht meine Mutter hatte – „lauter alte Leute“ machen unfröhlich.

Ich gebe zu, dass ich durchaus den Gedanken hegte, eine Alters-WG aufzubauen. Die Überlegung war, dass man vielleicht in einem ähnlichen Alter ein ähnliches Tempo hat – natürlich mit temperamentsbedingten Schwankungen – , dass man zu ähnlich gelassenen Einstellungen im Laufe seines Lebens gekommen ist oder ähnliche Erfahrungen hat und wenn man sich die Altersgenossen sucht, die ähnliche Interesse haben, wäre das vielleicht ein Modell, dachte ich  – bis jetzt.

Blicke ich vom meinem Frühstücksteller im Speisesaal meiner Reha auf, weiß ich, dass ich mehr noch als früher theoretisch ein Befürworter des Mehrgenerationenhauses werde. Und denke, wie gut und sinnvoll doch die „Großfamilie“ war – mit Uroma, Oma, Mutter, Kind -, die uns inzwischen so gänzlich abhanden gekommen ist. Es geht ja nicht nur darum, dass man auch mit Problemen der nachfolgenden Generationen konfrontiert wird und ihre Bedürfnisse damit besser versteht, dass man seinen Kopf fit hält, es geht auch darum, dass man den ganzen Bogen „Leben“ empfindet und nicht nur auf dem Papier von der kommenden Generation spricht. Und wenn ich denke, dass unsere Gesellschaft in 20 -30 Jahren zur Hälfte über 50 Jahre alt sein werden, wird mir ganz anders. Und gar nicht so sehr wegen des „Generationenvertrags“, sondern weil die Alten vorrangig mit Alten konfrontiert werden.

Es gibt Bezirke in Berlin – Friedrichshain, Prenzlauer Berg zum Beispiel – , da wachsen Kinder ohne die ältere Generation auf , sie kennen so gut wie keine alten Menschen , denn Oma und Opa leben weit weg und sind selten zu Besuch. Wie soll ein Kind einen Bezug zum Alter entwickeln, emotional lernen, dass Alter nicht nur schrecklich ist oder Lebenserfahrung wertschätzen,  kurz: was Alter in allen Facetten bedeutet, positiv wie negativ?  Der alltägliche Umgang mit Alter muss gelernt werden, daher gefällt mir die Haltung meiner Mutter immer mehr, die ihr Leben lang versucht, sich mit Menschen jeden Alters zu umgeben.

In diesem Sinne: Bleiben Sie neugierig und bleiben Sie im Gespräch mit allen Altersgruppen!

go

 

 

 

Anno Domini – die Bilderstürmer sind wieder da

Kennen Sie das Spiel Anno Domini? Bei Anno Domini müssen Ereignisse in die richtige zeitliche Abfolge gebracht werden. Die Themengebiete der kleinen Kärtchen sind z.B. Gesundheit, Kirche und Staat, Kunst, Lifestyle, Sex& Crime, Natur oder Erfindungen – alles ist im Angebot. Am besten ist es jedoch, wenn man die Gebiete mischt, dann wird’s  nicht langweilig. Nicht immer kommt es dabei auf exaktes Wissen an, wer gut bluffen kann, hat beste Chancen, seine Karten als Erster loszuwerden und zu gewinnen. Das Ereignis steht auf der Vorderseite, die Lösung auf der Rückseite. Und wer die gelegte zeitliche Reihung  nicht glaubt, darf zweifeln und dann wird die Lösung auf der Rückseite offengelegt.

Am Wochenende spielten wir wieder einmal und dabei gab es eine längere Diskussion über folgende Karte mit der Aufgabe: „Der Papst schlägt eigenhändig mit Hammer und Meißel das steinerne Geschlechtsteil einer jeden Statue im Vatikan ab. Er beschädigt dadurch Hunderte von Meisterwerken  von Michelangelo, Bramante und Bernini„.  Nun muss der Spieler ungefähr wissen, ob dieses  Ereignis z.B. nach oder vor der Karte „Entdeckung Amerikas“ zu legen ist. Gesagt getan, irgendwann wurde die gesamte Reihung angezweifelt und die Karten umgedreht. Die Überraschung war groß: Es stand dort „Papst Pius IX. Pontifikat 1846-1878, Zerstörung der Statuen 1857 “. Der  Papst also, der  1854 das  „Dogma der unbefleckten Empfängnis“ und im Ersten vatikanischen Konzil  1870 die „Lehre der Unfehlbarkeit des Papstes“ verkündet hatte, hatte nichts Wichtigeres zu tun? Bei aller Prüderie des „Biedermeier“ – wir konnten es trotzdem kaum glauben. Also wird „gegoogelt“ und schon rasch stellt sich heraus, dass die Frage auf einer  „Fake news“ beruht, der Autor der Karte des Spiels hatte  sich bei  Dan Browns Roman „„Illuminati“ bedient, der 2009 verfilmt wurde, ohne  die Fakten zu prüfen. In Wahrheit gab es keine Beschädigungen der Skulpturen durch brachiale „Kastration“, sondern die Nacktheit wurde mit Feigenblättern aus Blech überdeckt. Dabei wurden allerdings auch die Beschädigungen der Skulpturen in Kauf genommen, da zum Teil dafür Dübel gesetzt wurden oder die Befestigungsdrähte den wertvollen Stein schädigten. Der hier beschrieben Sachverhalt ist unter „Feigenblattzensur“ bekannt.

Vor 18 Jahren zeigte die Münchner Glyptothek die Ausstellung  „Das Feige(n)blatt“, in der über die Verfahren und Missgeschicke des Verhüllens auf  Grund der Prüderie des 19. Jahrhunderts informiert wurde. Zu Zeit Pius IX. begann man überall in Europa, die Scham der antiken Skulpturen mit Feigenblättern zu bedecken. Mark Twain berichtete  1867 über die  in Florentiner Sammlungen omnipräsenten Feigenblätter „Diese Werke, die jahrhundertelang in unschuldiger Nacktheit dastanden, sind nun alle mit Feigenblättern versehen“. Doch die Versuche, die Aufwertung des nackten und idealen Körpers durch die Renaissance zurückzunehmen, sind älter.  Als 1541 Michelangelo die  Nackten des Jüngsten Gerichts in der Sixtinische Kapelle malte, dauerte es nur 20 Jahre bis sein Schüler Volterra vom Papst beauftragt wurde, die Nacktheit zu übermalen. Johann Joachim Winckelmann berichtete 1759  aus Rom, dass Papst Clemens XIII angeordnet habe, „dem Apollo, dem Laocoon und den übrigen Statuen im Belvedere ein Blech vor den Schwanz“ zu hängen.

Die Berliner Museen sollten die Ausstellungsidee  aus der Münchner Glyptothek rasch aufgreifen,  damit eine öffentliche Diskussion zur Beurteilung von Kunstwerken im historischen Kontext, aber auch im persönlichen  Kontext des Künstlers eröffnet wird. Dabei wäre der Zeitrahmen  von reformatorischen Bilderstürmerei über die Sinnlichkeitsverbote nach der Renaissance über die  diffamierte modernen Kunst im NS-Staat, Maos Kulturrevolution, den  Buddha-Zerstörungen durch die Taliban 2001 bis hin zum heutigen „Biederen Barbarentum“ (siehe unten) zu fassen. Denn die Bilderstürmer und  Sittlichkeitseiferer von heute sind nicht mehr Pol Pot, Mao oder Taliban – nein, die Kunstverächter lehren heute an Hochschulen und Universitäten, beherrschen Studentenvertretungen, leiten das Feuilleton der Zeitschriften oder führen Galerien  und können sich mit Pius IX in Hinsicht auf ihren  „Anspruch der Unfehlbarkeit“ und am bigotten Feigenblatt-Erlass vergleichen lassen. Unter dem selbstgegebenen Auftrag, Sexismus und Rassismus zu bekämpfen, werden Gedichte  übermalt, Bilder abgehangen, Kampagnen gegen vermeintlich oder tatsächlich schuldig gewordene Künstler gefahren, die ohne juristische Prüfung zur Vernichtung ihrer materiellen Existenzen und der Zerstörung von Kunstwerken dieser Künstler führen (Einfach mal so rausschneiden aus dem Film, Stalins Schergen  konnten es nicht besser).  Eine wunderbare Kolumne des Wiener Philosophie und Ethikprofessors Konrad Paul Liessmann  vom 8.2.2018 in der Neuen Züricher Zeitung dazu findet sich hier: https://www.nzz.ch/meinung/kolumnen/biedere-barbaren-ld.1354234

Findet mw

 

BERLINER THEATER LUFT – Erinnerungen (3)

Aus dem Berliner Theaterleben nach dem Krieg:  „Walter Felsenstein und sein Musiktheater“

(c) Willi Sieger, 1946

Da liegt Berlin in Trümmern und die Siegermächte, USA, UDSSR, Frankreich und England, sind sich nicht einig über eine einheitliche Verwaltungsform der Stadt. Jeder wollte eben seinen Fuß in der Tür behalten. Die drei Alliierten USA, England und UDSSR einigten sich in dem „Potsdamer Abkommen“ über die politischen Handlungsfreiheiten der Besatzungszonen des neuen Deutschlands und Berlins. Denn nicht nur Deutschland wurde in vier Besatzungszonen geteilt, sondern eben auch „Die Insel Berlin“.

Nach allen erlebten und überlebten Gräueltaten des Krieges mussten sich die Bürger der Stadt erst einmal neu orientieren. Überleben mit Lebensmittelmarken und Sonderzuteilungen. Der bevorstehenden Kälte ohne Kohlen begegneten die Bewohner mit Abholzen des Tiergartens und der nahegelegenen Wälder. Allem zum Trotz gab es aber auch das Bedürfnis nach Ablenkung von der Notlage durch kulturelle Aktivitäten und Theater.

(c) Willi Sieger, 1946

Als man nun kulturelle Bestandsaufnahme machte – welche Bühnen sind bespielbar und in welchem Sektor stehen diese nun – stellte man fest, die Deutsche Oper im Westen war zerstört, die Staatsoper im Osten ebenso. Aber das Metropol-Theater im Osten sollte nach dem Willen der sowjetischen Militäradministration wieder bespielbar werden.

Wenige Monate nach Kriegsende sammelten sich um den Intendanten Karl-Heinz Martin im Berliner Hebbel-Theater (Westberlin) die Schauspieler des inzwischen ja ebenfalls zerstörten Schiller-Theaters (Westberlin). Mit ihnen inszenierte ein Herr Walter Felsenstein –  als erste Aufführung nach zwölfjährigem Naziverbot – Offenbachs Operette „Pariser Leben“. Die Premiere am 1.Dezember 1945 war ein großer Erfolg.

W.F.,1966

Wer war nun dieser Walter Felsenstein? 1901 in Wien geboren, Schauspielunterricht bei einem Burgtheaterschauspieler, erstes Engagement 1923/24 am Stadttheater Lübeck als „Schüchterner Liebhaber“, anschließend in Mannheim und Beuthen, wurde er schon 1927 als Oberspielleiter für Oper und Schauspiel nach Basel berufen. Dort inszenierte er innerhalb von zwei Spielzeiten neunzehn Schauspiele und sechzehn Opern. 1929/32 wechselte er in gleiche Position nach Freiburg/Brg. und dann an die Oper Köln. 1934/36 wurde er Oberspielleiter der Oper Frankfurt/M.. Der große Erfolg seiner „Fledermaus“-Inszenierung führte ihn zur ersten Gasttätigkeit nach Berlin, wo er das Werk 1935 am Admiralspalast-Theater inszenierte. Da entwickelte sich die Zusammenarbeit mit dem großen Bühnenbildner Caspar Neher. Kurz danach wurde Felsenstein jedoch aus der Reichskulturkammer (der alle zugelassenen Bühnenmitglieder angehören mussten) ausgeschlossen und durfte nur noch mit besonderer Genehmigung inszenieren. Zwei Jahre war er Gastregisseur – bis sich ihm 1938/40 die Gelegenheit bot, als Spielleiter für Oper und Operette nach Zürich zu gehen.

Nach einer Gastinszenierung im Berliner Naturtheater Friedrichshagen engagierte ihn der große Heinrich George an das von ihm geleitete Schiller-Theater. Hier begegnete er dem Regisseur Jürgen Fehling. Das sollte für seine weitere künstlerische Arbeit bedeutend werden.

Da Felsenstein aber im üblichen Theaterbetrieb keine Möglichkeiten sah, seine Vorstellungen  von Oper als einem theatralisch gültigem Kunstwerk zu realisieren, verlegte er seinen Schwerpunkt wieder auf das Schauspiel. Nur zweimal inszenierte er Oper: 1941 „Falstaff“ in Aachen mit Herbert von Karajan und 1942 „Figaros Hochzeit“ in Salzburg mit Clemens Krauß.

Als Anfang 1947 vom Magistrat der Stadt Berlin und der sowjetischen Militäradministration angeregt wurde, in dem mittlerweile provisorisch wiederhergestellten Metropol-Theater ein heiteres Musiktheater neuer Art aufzubauen, entstand die Idee einer „Komischen Oper“. Walter Felsenstein schien für die Leitung genau der Richtige und so wurde ihm von Major Dymschitz die Lizenz für deren Leitung überreicht. Felsenstein sah darin die Möglichkeit, die Werke des Musiktheaters in hoher Qualität und ohne die im gängigen Opernbetrieb üblichen künstlerischen Kompromisse zur Aufführung zu bringen. Mit der Premiere der „Fledermaus“ am 23.Dezember 1947 wurde die Komische Oper eröffnet.

Doch was bedeutet nun Musiktheater ?  Die interpretatorische Absicht des Regisseurs Felsenstein bestand darin, gleichberechtigte Kommunikation von Musik und Text einzusetzen, nicht nur auf den Gesang konzentriert zu sein, sondern vom Klang ausgehend eine Aktion auf der Bühne umzusetzen. Die Akteure agieren sowohl musikalisch, tänzerisch als auch darstellerisch. Das war für uns Bühnenbild-Studenten aus dem Westen absolutes Neuland der Operndeutung. Ich erinnere mich noch genau, dass wir zu den Vorstellungen immer „rüber“ gefahren sind mit der S-Bahn bis Friedrichstrasse. Es gab ja damals die Ostmark und die Westmark und der Kurs stand 1 zu 4, also für eine Westmark bekam man vier Ostmark. Für uns Studenten war es ein Fest, in die „Komische“ zu gehen, bekam man da doch in der Pause auch noch eine Bockwurst mit Brot für eine Ostmark, also für fünfundzwanzig Pfennige West.

Ich denke noch heute an die exemplarischen Inszenierungen von „Das schlaue Füchslein“ oder auch „Hoffmanns Erzählungen“ und „Die Zauberflöte“. Alle in den großartigen Bühnenbildern und Kostümen von dem leider zu früh verstorbenen Rudolf Heinrich.

(c) Simon/Komische Oper, 1957

Walter Felsenstein leitete die Komische Oper bis 1975, also fast dreißig Jahre lang, und formte so den Begriff des Musiktheaters, der den Begriff Opernregie abgelöst hat. Am 8. Oktober 1975 setzte der Tod seiner Arbeit ein plötzliches Ende. Seine letzte Ruhe fand er in Kloster auf der Insel Hiddensee, wo er ein Ferienhaus besaß.

Walter Felsensteins Schüler waren Ruth Berghaus, Joachim Herz, Harry Kupfer, Götz Friedrich – Namen, die das Berliner Musiktheater noch heute prägen.

Prof. Michael Goden

 

 

 

Abschied auf Zeit

Abschied auf Zeit: Das Schloss auf der Pfaueninsel schließt

Das größte Sanierungsprogramm in der Geschichte der Hohenzollern-Schlösser und  -Parks beginnt in diesem Jahr und sichert mit  400 Millionen Euro bis 2030 den dringenden Sanierungsbedarf  an historischen Bauwerken und Schlössern. Das Geld hat die  Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) im letzten Jahr aus dem Bundeskulturhaushalt und von den Ländern Berlin und Brandenburg erhalten. Zu den Sanierungsobjekten  zählen das Logierhaus in Caputh, das Schloss auf der Pfaueninsel, das Neue Palais sowie die Römischen Bäder im Park Sanssouci, die Babelsberger Schlossräume (vgl. den Blog-Beitrag vom 21.07.2107 „Konkurrenz unter Gartenkünstlern“) und in Berlin am Schloss Charlottenburg die Hüllensanierung  und ein neues Besucherzentrum. Das jetzt aufgelegte Programm folgt dem Plan der Denkmalserhaltung von 2008, in dem 155 Millionen investiert wurden.

Als ich kürzlich davon hörte, war ich begeistert, ist mir doch der desolate Zustand einiger dieser Gebäude aus meinen Besuchen dort bewusst. Da mit den Sanierungen natürlich die Denkmale dem öffentlichen Zugang entzogen werden, möchte ich Ihnen heute ihnen empfehlen,  ab April noch einmal das Pfaueninsel-Schloss zu besuchen, denn ab 20. August  2018 werden die Räume vermutlich bis  2024  nicht zu besichtigen sein.  Das Schloss ist eines der wenigen Hohenzollern-Bauten, das noch in seinem Originalzustand aus der Bauphase bis hin zu den Bemalungen, Wandbespannungen und Möbeln erhalten ist und nie umgebaut wurde.

König Friedrich Wilhelm II. und seine Mätresse Wilhelmine Enke  weckten 1793  die  67 Hektar große Pfaueninsel aus dem Dornröschenschlaf.  Der letzte Besitzer, der Alchemist und Glasmacher Johannes Kunckel, hatte vor damals über 100 Jahren – genauer gesagt 1689 – nach dem Brand seiner Glashütte und seines Laboratoriums die Insel, und später Brandenburg, fluchtartig verlassen. 1692 ging er nach Schweden und wurde dort wegen seiner unbestreitbaren Verdienste um die Herstellung von Rubinglas und anderer technologischen Erfindungen geadelt und durfte sich nun  Johann Kunckel von Löwenstern nennen. Eine kleine Ausstellung in der Meierei berichtet über seine Zeit auf der Pfaueninsel.

Doch zurück zum „dicken König“, dem Neffen Friedrich II. Neben der gärtnerischen Gestaltung nach englischem Vorbild wurde 1794 auf der Pfaueninsel für den König und seine Geliebte Wilhelmine, die Tochter des Hoftrompeters Enke,  durch den Hofzimmermeister Brendel ein  zweigeschossiges ländliches Lustschloss errichten. Der mit Holzbohlen verkleidete Fachwerkbau  sollte als romantische Kulisse eine Ruine imitieren und dem Paar als Übernachtungsmöglichkeit dienen. Die Berichte  über die Bauten auf der  1774 entdeckten Insel Tahiti  bewogen den romantischen König, ein sogenanntes „Otaheitische Kabinett“ im Turmzimmer mit  exotischen Pflanzenabbildungen, Pfauenbildern  und Palmenausmalung  einrichten zu lassen. Zwischen Schloss  Charlottenburg und dem Marmorpalais gelegen, konnte die Fahrt mit dem Boot über Spree und Havel hier unterbrochen werden.

Die Arbeiten dauerten bis 1797, doch da der König FW II bereits im November 1797 starb und Wilhelmine – inzwischen geadelte Gräfin Lichtenau – vom Sohn des Königs verbannt wurde, blieb das Schlösschen unbewohnt. Friedrich Wilhelm III. und seine Gemahlin Königin Luise nutzten nun das Schloss als Sommersitz mit ihren zahlreichen Kindern. Auf der Insel zog mit dem jungen König  die Gutswirtschaft nach englischem Vorbild ein. Hofgärtner Fintelmann ließ den Wald roden und sechs Felder von je zwölf Morgen (ca.3 ha) anlegen, die im Wechsel von Halm- und Blattfrucht ohne Brache bestellt wurden. Vermittler dieser „englischen“ Fruchtfolge war Albrecht Daniel Thaer, der seit 1804 den König in Landwirtschaftsfragen beriet (im Blog wurde dazu 2016 berichtet: https://berlinab50.com/2016/06/27/neustart-mit-52-das-zweite-leben-des-albrecht-daniel-thaers/)

Die Insel, so wir sie heute kennen, wurde dann durch Peter Joseph  Lenné  gemeinsam mit Fintelmann in einer dritten Phase nach Luises Tod (1810) bis 1834 gestaltet. Jetzt prägten neben Schloss und den bereits vorhandenen Bauten –  Luisentempel, Tiergehege, Wiesen, Gärten –  ein Palmenhaus  und der Rosengarten die Insel. Die Tiere der Pfaueninsel bildeten 1842 dann den Grundstock des Berliner Zoos. Übrigens in seinem 2014 erschienenen Roman „Pfaueninsel“ schildert der Schriftsteller Thomas Hettche aus der Sicht des kleinwüchsigen Schlossfräuleins Marie das Leben auf der Insel im 19. Jahrhundert.

Doch zurück zum Schloss. Die  frühklassizistische Inneneinrichtung mit den Möbeln, Tapeten, Schnitzereien und Fußböden ist heute weitgehend original erhalten, jedoch in einem der langen Zeit geschuldeten beklagenswerten Zustand.  Eine Sanierung  war lange geplant, aber bisher wegen der fehlenden Finanzierung  nicht möglich. Und nun geht’s im Sommer los.

Ich werde im Frühjahr nochmal hingehen, ab 30.März  ist das Schloss von 10:00 -17:30 Uhr geöffnet, um dann ab 20.8. 2018 für längere Zeit wegen Sanierungsarbeiten zu schließen.

Ihr mw

 

Eine Frage der Perspektive

Neulich las ich in der Berliner Zeitung eine Kolumne*, die mich sehr beschäftigt hat.

Es ging um Empathie und eine Klassenarbeit im Ethikunterricht.  Die Aufgabe war, sich in die Gefühls- und Denkwelt eines objektophilen Mannes hineinzuversetzen und die Kompetenzschritte  „Empathie entwickeln“ aufzuschreiben.

Objektophilie ist die Liebe zu Dingen, Gegenstände sind Liebes- und Sexualobjekt.  Empathie wiederum ist die Fähigkeit, Gedanken, Emotionen und Motivationen anderer Personen zu erkennen, zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren.

Ich gestehe, ich wäre nicht unbedingt auf die Idee gekommen, eine solche Konstellation als Schulaufgabe „Kompetenzschritte zur Empathie“ zu nutzen. Vielleicht kommt  Objektophilie öfter vor als ich denke, aber mir scheint es doch etwas sehr Entferntes,  jedenfalls nichts, womit wir täglich konfrontiert werden. Ob die Schüler jemanden aus eigener Erfahrung kennen, vermutlich nicht. Möglicherweise war dies genau die Überlegung der Aufgabenstellung. Es schafft Distanz.

– Heinrich Zille –

Nun können Sie sagen, genau an so einer  Ausgangssituation kann der Schüler seine gelernten „Kompetenzschritte“ aufzeigen. Weil er vermutlich emotional nicht berührt ist. Mir scheint es einfacher, einen distanzierten Perspektivwechsel  ohne große emotionale Irritation zu vollführen als zum Beispiel die Motivation einer öffentlichen Person mit schlechtem Image nachzuvollziehen. Also zum Beispiel „Martin Schulz wollte dezidiert nicht ins Kabinett von Angela Merkel, trotzdem erklärte er seiner Partei jetzt, dass er Außenminister in der neuen GroKo werden wolle. Versuchen Sie sich in seine Denk- und Gefühlswelt einzufühlen.“ oder „Ein tödlicher Unfall. Ein LKW überrollt einen Radfahrer. An der Unfallstelle werden tagelang Blumen hingelegt und Kerzen angezündet. Fühlen Sie sich in den LKW-Fahrer hinein.“ oder „Ihre 80jährige Nachbarin erleidet einen Schlaganfall. Wie sieht das Leben „danach“ aus der Perspektive der alten Dame aus?“ oder  „Was bringt einen Familienvater dazu, seine Frau und zwei Kinder zu töten“?

Es geht also bei der oben erwähnten Klassenarbeit – zumindest ist dies mein Eindruck – mehr um das Abarbeiten der gelernten Schritte, um Fakten und Wissen, nicht so sehr um Stärkung einer sozialen Kompetenz. Also mehr um „technisches Wissen“ als um Übung eines Perspektivwechsels und das emotionale kognitive und soziale Einfühlungsvermögen. Ist das der richtige Weg?

Eine Freundin von mir ist Lehrerin in Neukölln – Brennpunktschule. Sie ist eine überaus engagierte Lehrerin und versucht alle ihre Schüler mit und ohne Migrationshintergrund zu fördern und durch die Prüfungen zu bringen. Sie erzählte mir neulich, dass viele der jungen Lehrer*innen – und sie meint nicht die Quereinsteiger – diesen Beruf  lediglich als „Job“  verstehen  und dies bedeutet nicht nur für die Kinder weniger an persönlichen Einsatz, Leidenschaft und Engagement, sondern macht sich genauso in der Zusammenarbeit mit den  Kollegen*innen negativ bemerkbar.

Dies bestätigte meine Beobachtung, dass Empathie im Allgemeinen immer stärker verloren geht. Wir haben uns spürbar zu einer egoistischen Gesellschaft entwickelt, in der schon Kindern beigebracht wird, dass  das ich höher zu setzen ist als das wir. Und natürlich macht sich das auch bei sozialen Berufen bemerkbar.  Vielleicht ist es ein Selbstschutz, diese Beruf sind anstrengend, ohne Zweifel, und vermutlich verdient man in anderen Beruf deutlich mehr, aber wenn ich einen sozialen Beruf ergreife, muss ich wissen, dass ich ihn gerne, mit Freude und mit Leidenschaft machen werde, er muss Berufung sein. Dies gilt sicher für alle sozialen Berufen – von der Krankenschwester bis zum Physiotherapeuten, vom Erzieher bis zum Arzt. Ohne Engagement und Empathie werden alle diese Berufe doppelt so anstrengend. Und wir, die wir von von ihrem Engagement profitieren, müssen mit Dankbarkeit diese Berufgruppen achten und wertschätzen.

Und das bringt mich wieder zum Ausgangspunkt meiner Überlegungen – wenn Schüler anhand von (fast) abstrakten Situationen Empathie lernen, werden Einfühlungsvermögen und Leidenschaft, Respekt vor dem Anderen in der praktischer Umsetzung des Alltag schwierig werden. Denn es gilt ja auch, eine empathische Haltung einzunehmen selbst auf die Gefahr hin, dass dieser Perspektivwechsel im Kreis von  Freunden und Familie als „verräterisch“ empfunden wird. Und das verlangt einen gewissen Mut. Aber nur mit Empathie kommen wir zu einer differenzierten Betrachtungsweise, weg von der Entweder-oder-Haltung. Und dies fehlt uns immer mehr. Natürlich wird diese Einfühlungsvermögen schon in frühester Kindheit gefördert, aber wenn Eltern selbst zur egoistischen Generation gehören, woher sollen dann  Kindern den Respekt und Mitgefühl lernen?

„Empathie für Anfänger“ titelte übrigens die oben erwähnte Kolumne. Ich hoffe sehr, dass wir dieses Vermögen weiterhin schätzen und uns über die Anfänge hinaus  zu Fortgeschrittenen entwickeln.

Bleiben Sie auch in diesem Sinne neugierig.

go

Empathie für Anfänger, Kolumne von André Mielke, Berliner Zeitung,14.2.2018

 

 

 

 

 

 

 

 

BERLINER THEATER LUFT – Erinnerungen (2)

Berliner Theaterleben nach dem Krieg: „Der Eremit vom Breitenbachplatz“

1980 (c) M.Goden

Einer der prominentesten deutschen Nachkriegsregisseure und Bühnenbildner war auch einer der Scheuesten. Er lebte und wohnte seit 1952 hoch über dem Breitenbachplatz in Dahlem: Willi Schmidt. Professor Schmidt liebte diese Stadt, aber er ließ sie nie zu dicht an sich heran. Die selbst gewählte Distanz war charakteristisch für seine Persönlichkeit, die jede Art von Publicity scheute. Von Willi Schmidt gibt es keine Interviews und keine Stories. Die Arbeit umschloss ihn wie ein Gehäuse. Ich studierte bei ihm von 1956 bis 1961 Bühnenbild an der Hochschule der Künste in Berlin und ich möchte mit diesem Beitrag einen großen Theaterkünstler würdigen und wieder ins kulturelle Gedächtnis der Leser rufen.

Willi Schmidt inszenierte bei Boleslaw Barlog am Schiller- und Schlosspark-Theater, bei Kurt Raeck am Renaissance-Theater –  viel zu selten, wenn es nach der Meinung des Berliner Publikums ging. Hamburg, Düsseldorf, München, Wien, Recklinghausen locken zusätzlich mit ständigen Angeboten. Aber die liebgewordene Lehrtätigkeit an der Berliner Hochschule für bildende Künste, an der er sich liebevoll und kompetent um den Bühnenbildner-Nachwuchs sorgte, ließ die verfügbare Zeit für Regie und Bühnenbild in Berlin schrumpfen. Der überschlanke Mann mit dem durchgeistigten Kopf sprach  mit leiser, melodischer Stimme und zwang zum Zuhören, um dabei selbst ganz zwanglos zu sein. Er filterte seine Argumente und Erzählungen mit Humor und Ironie. Er schmunzelte in sich hinein und sein unaufdringlicher intellektueller Charme wärmte und füllte den Raum. So habe ich ihn im Studium und später erlebt. In seinen Vorlesungen und  Gesprächen brach immer der Regisseur durch. Mit ein paar Gesten beschrieb  er eine Szene, spielte sie vor, brach ab – man spürte die Suggestion, die von ihm auf die Schauspieler überspringen musste.

(c) Günther Metzner, Quelle: Programm der Berliner Festwochen 1962

Sein Weg zum Theater war von seltener Konsequenz: Der 1910 in Dresden geborene Sohn eines Bankdirektors sah als 15jähriger eine Ausstellung von Bühnenmodellen. Die Magie der winzigen Gehäuse ließ ihn nicht mehr los. Er bastelte für sich und inszenierte in der Schule. Zum Kummer seiner Eltern ließ er sich die Träume vom Theater nicht ausreden. Also studierte er erstmal Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie, versuchte in die Schauspielschule von Leopold Jessner zu kommen und fiel durch. Er zog nach Paris. Aber auch dort wartete man nicht auf ihn. Eines Tage wurde ihm eine Postkarte des großen Bühnenbildners Rochus Gliese nachgeschickt, bei dem er sich um eine Assistentenstelle beworben hatte. Wochen nach dem Vorstellungstermin erschien Willi Schmidt dann mit seinen Modellkästen und es fiel der erlösende Satz: „Versuchen wir es, sie haben handwerkliches Geschick.“ Er nutzte die Chance, saß neben Fehling, Gründgens und Hilpert – als Kaffeeholer, als Lehrling, als Assistent. Und er bekam seine erste eigene Arbeit als Bühnenbildner.

Die zweite Karriere begann nach dem Krieg, die Regie. 1946 war es erreicht. Karl-Heinz Martin trug ihm die Inszenierung von Georg Kaisers Schauspiel „Der Soldat Tanaka“ am Hebbel-Theater an. Es wurde ein durchschlagender Erfolg. Und fortan war die Marke „Regie und Bühnenbild Willi Schmidt“ ein Begriff. Und er war ein Regisseur, der Verstand und Gefühl mit hoher Sensibilität für Dramatik des Raumes verband. Dieser noble Phantasiemensch war ein äußerst behutsamer Spielführer. Jede Schmidt-Inszenierung erkannte man an seiner unverwechselbaren Handschrift.

(c) Köster, Quelle: „Der Abend“, 1962

Seine Liebe galt Berlin, seine Bewunderung den neuen französischen und angelsächsischen Stücken, die uns bis 1945 vorenthalten worden waren. Unter seiner Regie wurde 1956 Jean Anouilhs melancholische Komödie „Schloss im Mond“ im Renaissance-Theater auf die Bühne gebracht, melancholisch-heiter, elegant mit schöner Behutsamkeit, ein echter Willi Schmidt. Oder dann 1958  im Schlosspark-Theater Félicien Marceaus „Das Ei“. Wie da höchst amüsant und elegant in schnell verwandelnden Bühnenbildern ein junger Mann leichthin und mit einem Hauch versteckter Einsamkeit, schlankweg ins Publikum hinein, seine Lebensstationen aufblättert, das war genau kalkuliert. Ein junger Mann spielte dieses Solo – Klaus Kammer, der den älteren Berliner Lesern sicher ein Begriff ist. Für die Jüngeren: Klaus Kammer war einer der bekanntesten Theater-Gesichter der Nachkriegszeit in Berlin, der leider schon 1964 mit 35 Jahren  starb.

(c) Köster, Quelle: „Der Abend“, 1962

Dann folgte Schmidts Inszenierung von Giraudoux’ „Amphitryon 38“ und die hinreißende „Irre von Chaillot“ mit der großen Hermine Körner und wieder Klaus Kammer. Mit Klaus Kammer arbeitete Willi Schmidt wegen dessen Sensibilität und hoher, immer lebendigen Perfektion oft zusammen, kam diese Eigenschaften den seinen doch so nah. 1960 war Klaus Kammer Schmidts „Raskolnikow“ in der Dramatisierung des Dostojewski-Romans „Schuld und Sühne“. Und er war 1962 der „Affe“ in Kafkas „Bericht für eine Akademie“, begleitet von seinem Regisseur im Kostüm des Akademiedieners.

Willi Schmidt ging aber auch den Klassikern frisch und sprachgeschmeidig zu Leibe. Er blies den Staub aus dem Versgefüge. Einer Nelly-Sachs-Präsentation in der Berliner Akademie der Künste hat Willi Schmidt ein Novalis-Wort vorangestellt: „Jedes Wort ist ein Wort der Beschwörung. Welcher Geist ruft – ein solcher erscheint“. Willi Schmidts Arbeit kam immer aus dem Geist der Achtung vor dem Dichterwort – und der Liebe zum Theater. Er hat uns ein halbes Jahrhundert hindurch beschenkt und wir haben ihm zu danken.

Seine letzte Ruhe fand er an der Seite seiner Frau Lore auf dem St. Annen Kirchhof in Berlin-Dahlem.

Prof. Michael Goden

SHARING HERITAGE – gemeinsames Erbe

Europäisches Denkmaljahr 2018 und die feine französische Küche

Kannten Sie das „Le Piaf“ in der  Charlottenburger Schloßstraße, das Ende  2016 leider schloss? Ich hab das neue Domizil der feinen französischen Küche  vor einigen Tagen im Wedding zufällig  wiedergefunden und das kam so:

Bereits im letzten Jahr  hatte die EU-Kommission auf Vorschlag Deutschlands für 2018  ein europäisches Kulturerbejahr unter dem Motto „SHARING HERITAGE“, – gemeinsames Erbe -,  initiiert https://sharingheritage.de/. Das letzte europäische Kulturerbejahr mit dem Thema „Denkmalschutz“ fand  vor nunmehr  43 Jahren statt!

Mit vielfältigen Aktionen und Ausstellungen soll das gemeinsame (und doch nationale) kulturelle Erbe in Europas Städten und Regionen die öffentliche Wahrnehmung besser erreichen und zeigen, wie sich in  einem wandelnden Europa Heimat, Identität und Werteempfinden bewahren lassen. Höhepunkt in Deutschland wird der „Tag des offenen Denkmals“ am 08/09. September 2018 sein, der unter dem Motto „Entdecken, was uns verbindet“ stattfindet. Aber darüber hinaus sind in Berlin vielfältige Veranstaltungen und Ausstellungen geplant, die jedem denkmalinteressierten Berliner Heimatfreund das Herz höher schlagen lassen.  Öffentliche und private Träger von  Museen, Gedenkstätten, Archiven und Bibliotheken sind als Orte des Sammelns und Erinnerns genauso wie Vereine und   Fachgesellschaften aufgerufen, sich zu beteiligen.

Am 14. Februar fand im Centre Français de Berlin in der Müllerstrasse in Wedding die öffentliche Auftaktveranstaltung für Berlin statt. Kultursenator Dr. Klaus Lederer,  der Landeskonservator, Mitarbeiter des Landesdenkmalamts sowie der Berliner Landesarchäologe stellten Projekte vor, über die in einem gesonderten Beitrag zu berichten sein wird. Amtliche Denkmalschützer und Ehrenamtliche Mitarbeiter berichteten über lokale Vorhaben für dieses Jahr und es war für mich  berührend zu hören, mit wieviel Engagement z.B. in Kirchengemeinden besonders Kinder und Jugendliche an die Bewahrung unseres Kulturerbes herangeführt werden sollen. Die  Initiatoren  des „KulturerbeNetz“ stellten ein zu schaffendes,  webbasiertes Netzwerk bürgerschaftlicher Initiativen in Berlin vor, das einen schnellen Überblick über kommende Veranstaltungen, Denkmalprojekte und alle Denkmal-Engagements in unserer Stadt bietet und im Oktober 2018 ans Netz gehen soll. Ein interessantes Projekt für die Zukunft.

Fazit der  Veranstaltung: Denkmale können  Brücken zwischen Baustilen, Regionen, Kulturen und Menschen schlagen.

Zum Abschluss gab es durch den Hausherrn Herr Fangmann eine Führung durch das 1961 erbaute  Centre Français, das neben dem Haus am Kurfürstendamm (Maison de France) und einer seit 1984 bestehenden Filiale in Ostberlin Unter den Linden/Ecke Friedrichstrasse das Größe der drei Zentren war. In diesem Kulturzentrum, das von den französischen Streitkräften betriebene wurde, durften auch West-Berliner in Begleitung französischer Soldaten Filme sehen und Kulturveranstaltungen besuchen, ganz im Gegensatz zu den Kulturzentren der Briten und Amerikaner, wo das nicht möglich war. Im Ostberliner Centre Français de Berlin  habe ich 1987 den Film „ Der Name der Rose“ gesehen, lange bevor er in ostdeutsche Kinos kam. Ein besonderes Erlebnis. Das Centre in Wedding wurde 1993 der Bundesrepublik übergeben und ist heute ein gemeinsames Unternehmen eines französischen und eines deutschen Trägervereins, das  im Sinne der deutsch-französischen Freundschaft und des europäischen Gedankens der Völkerverständigung  Jugend-Austauschprojekte und Veranstaltungen organisiert.

Und neben einem Kino (das City Kino Wedding) habe ich das französische Restaurant „Gourmanderie“ gefunden, das seit 2017 vom  Wirt des früheren „Le Piaf“ in  Charlottenburg betrieben wird.  Das freut mich, schließlich ist die feine französische Küche auch ein Kulturerbe. Es gibt Kochkurse und eine kulinarische Entdeckungsreise durch Frankreich. Reservierung wird empfohlen.

Die nächste Veranstaltung zum Thema „Gemeinsames Erbe“ ist dann der 32. Berliner Denkmaltag am Freitag, 16. März 2018. Landesdenkmalamt Berlin und Bezirksamt Treptow-Köpenick laden hier ein. Die Veranstaltung findet ganztägig im Rathaus Treptow (Neue Krugallee 2-6) statt. Neben dem Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park stehen aus Anlass des 450. Jahrestages von Treptow weitere Bau-, Boden- und Gartendenkmale im Mittelpunkt. Die Veranstaltung beginnt um 11 Uhr außer Vorträgen werden auch Exkursionen in Treptow angeboten. Der  Eintritt ist  frei und es ist  keine Anmeldung erforderlich. Die Platzzahl ist jedoch begrenzt.

Demnächst mehr

verspricht mw

Habe ich Ihnen je das “Du“ angeboten?

Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern. Ich kenne Sie ja noch nicht einmal und ich habe keine Ahnung, woher Sie mich kennen könnten.  Und selbst wenn wir uns einmal über den Weg gelaufen sein sollten oder uns vorgestellt worden sind: Zu einem „Du“ reicht das ganz gewiss nicht.

Und damit bin ich auch bei meinem Thema: Das ständige Duzen geht mir gegen den Strich; es ärgert mich und manchmal sogar beleidigt es mich. Nicht weil ich etwas Besonderes bin – ganz und gar nicht. Ich bin nur ein Mensch, der Distanz und Nähe auseinander halten möchte. Dem das „Du“ durchaus noch etwas bedeutet. Es bedeutet für mich Vertrautheit, Nähe, vielleicht sogar in der Nähe von Freundschaft. Und damit werfe ich nicht so einfach um mich.

Sollten Sie glauben, dass es mir schmeichelt, wenn Sie mich kumpelhaft vereinnahmen, dann irren Sie sich. Ich entscheide, wem ich das „Du“ anbiete oder von wem ich es annehme.

Im Internet ist das Duzen offenbar zur Anrede per se geworden. Nach dem Motto: „Wir sind doch alle eine große Community!“

Sind wir das? Ich  weiß nicht, worauf sich diese Duz-Gemeinschaft gründen sollte. Ganz gewiss nicht auf dem, was das Duzen eigentlich ausmacht: Dass ich mein Gegenüber schätzen gelernt habe, dass ich gern mit ihm zusammen bin und vor allem: Dass es mir wichtig ist, die Verbindung zu intensivieren. Und genau so erhoffe ich es auch von dem, der mir das „Du“ anbietet. Dass er oder sie es ernst meint und die Unterschiede erkennt.

Darüber hinaus frage ich mich: Es gibt ja keine Steigerung von „Du“; wie also benennen die „Duzer“ all diejenigen, die wirklich ihre Freunde sind. Unterschiedslos bekommen trotzdem alle das „Du“„verpasst? Merkwürdig, finde ich.

Es gab immer schon Höflichkeitsregeln, die ziemlich genau benannten, auf welche Weise ein Duzen zustande kommt. Vielen, vor allem jungen Leuten, mögen diese Vorschriften wie ein alter Zopf erscheinen, der dringend abgeschnitten gehört.

Natürlich weiß auch ich, dass eine globalisierte Welt andere Formen des Umgangs miteinander hervorbringt. Alles ist unverbindlicher, schneller und spontaner. Aber muss das auch heißen, dass ich schneller mit dem Duzen bei der Hand bin? Was bringt es im Umgang miteinander?  Und was mache ich, wenn die „Freundschaft“ Risse bekommt und mir das „Du“ doppelt unangemessen erscheint? Aber auch: Streitigkeiten und schwierige Situationen lassen sich um einiges distanzierter führen, wenn ich es nicht mit einem „Du“ zu tun habe.  Zurück zum „Sie“ – das ist kaum möglich; was in der Welt ist, ist in der Welt.

Dass es zum Siezen gekommen ist, ist im Übrigen eine große soziale Errungenschaft: Bis zum 19. Jahrhundert galten die höfischen Umgangsformen, es wurde „geihrzt“. Ich  hätte, wenn ich eine(n) von Ihnen,  liebe Leser und Leserinnen, ansprechen wollte,  damals also etwa so formulieren müssen: „Erlaubt Ihr, dass ich Euch die Sitten unserer Vorfahren nahe bringe?“ Ihre Antwort wäre dann (hoffentlich?!): „Wir erlauben es Euch.“ (Das Beispiel ist ein bisschen gequält, ich weiß!)  Dieses „Ihrzen“ sollte Respekt bezeugen und wurde unter seinesgleichen gebraucht.

Mit dem  späteren „Sie“, das die  gehobene Bürgerschicht einführte, wollte man sich von der feudalistischen Herrschaft absetzen – der Beginn der Demokratisierung.

Das „Du“ wiederum war damals eine Form, mit dem Dienstboten, Untergebene benannt wurden. Das heißt auch,  dass mit dem „Du“ ein soziales Gefälle verdeutlicht wird.

Und im Grunde ist genau das auch heute spürbar: Das unabgesprochene Duzen ist  respektlos, eine Vereinnahmung, die keine Differenzierung mehr zulässt.

Ich frage mich: Muss ich das akzeptieren? Nur weil so viele Menschen meinen, dass es „cool“ ist? Weil sie es für eine Form der Befreiung halten? Nein, muss ich nicht, will ich nicht, werde ich nicht.

Im Übrigen gibt es eine Reihe von  Ländern, die das Duzen äußerst knapp verwenden. Dazu gehören z.B. Spanien, Frankreich, Holland. Und das angloamerikanische „you“ sollte man tunlichst nicht mit dem „Du“ in unserem Sprachgebrauch verwechseln.

Zum  „kommerziellen“ Duzen ist schon viel Gutes gesagt worden, vor einigen Wochen auch im „Tagesspiegel“. Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht einige Beispiele:

Das Restaurant „Vapiano“ versichert mir, dass „sie für mich das Restaurant umbauen“. Ich war zwar bislang noch nicht Gast dort, aber offenbar wissen die Manager, dass ich mir den Umbau wünsche. Und natürlich wird „für mich andernorts weiter gekocht“.

Die BVG liebt mich offenbar besonders, denn ihr Spruch bei allen ihren Angeboten heißt: „Weil wir Dich lieben“. Das gilt auch für Entstörungswagen!

Und die Polizei: Viele der Fahrzeuge sagen mir: „Da für dich“. Ich habe zwar keine Ahnung, was und wie das „da“ gemeint ist, zudem klingt der Spruch in seiner Melodie ganz fürchterlich  aber das macht ja nichts. Es ist alles für mich.

Und so weiter und so weiter. Die Beispiele sind endlos. Vermutlich könnten Sie sie ohne viel nachzudenken fortsetzen.

Bevor ich schließe, noch ein Beispiel für die charmanteste Art, mit dem Du und Sie zu spielen. Vielleicht kennen Sie das Büchlein aus früheren Zeiten. Es heißt „Dear Doosie“ und ist von Werner Lansburgh*. Der Untertitel sagt, worum es geht: Eine Liebesgeschichte in Briefen. Auch eine Möglichkeit, sein Englisch spielend aufzufrischen“. Wie recht er hat, das nebenbei. Und es beginnt so:

Dear Doosie,

warum ich Sie Doosie nenne, fragen Sie? Well, my dear, don’t you unterstand German – verstehen Sie denn kein Deutsch? I am calling you Doosie, weil ich noch nicht recht weiß, ob ich Du oder Sie zu Ihnen sagen soll. Deshalb. That’s why.

……Ich nenne Sie Doosie, liebe Doosie, weil eben bis auf weiteres Du-Sie. Das englische „you“ kann beides bedeuten, je nach Intimitätslage, hilft uns aber im Augenblick nicht weiter, it won’t get us anywhere. Wieviel weiß ich denn von Ihnen als Leser, und wieviel wissen Sie von mir als Schreiber: Nothing.“…

Danke, Mr. Lansburgh!

Paula

 

*Das Buch gibt es als Taschenbuch beim Fischer-Verlag. Außerdem ist ein zweiter Band erschienen: „Wiedersehen mit Doosie. Meet your lover to brush up your English“

 

BERLINER THEATER LUFT – Erinnerungen (1)

Berliner Theaterleben nach dem Krieg (1): „Die Stimme der Kritik“

ca. 1987/88 (c) dpa

Das Theaterleben, das nach dem Krieg im zerstörten Berlin entstand, hätte niemand voraussagen können, waren doch eine Vielzahl namhafter Künstlern, teils auch jüdischer Abstammung, nicht mehr am Leben oder emigriert. Dennoch war der Hunger nach kultureller Auseinandersetzung mit der Literatur und dem Zeitgeschehen enorm. Und zur Beförderung der Theaterangebote war es unerlässlich, einen begeisterten und theaterbesessenen Kritiker zu haben. Und da gab es „Die Stimme der Kritik“ in der Person eines Friedrich Luft, der sich selbst einmal in seiner sonntäglichen Rundfunksendung 1946 seinen Hörern wie folgt vorstellte: „Luft ist mein Name. Friedrich Luft. Ich bin 1,86 groß, dunkelblond, wiege 122 Pfund, habe Deutsch, Englisch, Geschichte und Kunst studiert, bin geboren im Jahre 1911, bin theaterbesessen und kinofreudig und beziehe die Lebensmittel der Stufe II. Zu allem trage ich den letzten Anzug, den ich aus dem Krieg gerettet habe, und eine Hornbrille auf der Nase.“ Und in dieser Sendung meldete er sich mit seinem unnachahmlichen Stil, komprimierte Kritik in Schnellsprechweise im damaligen Sender RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor). Er wurde zu einer Institution und war über 40 Jahre lang der bekannteste deutsche Theaterkritiker.

1947, Quelle: WELT 2000

Ich weiß nicht, was aus uns Exil-Berliner geworden wäre, hätte es nicht diesen Friedrich Luft gegeben:  Nach dem Kriege in die Provinz (oder, schlimmer noch, aufs Land) verschlagen, abgenabelt von unseren städtischen Theatern, informierte uns der Mann mit der schnellen Zunge jeden Sonntag eine Viertelstunde lang im Eiltempo darüber, was wir gesehen hätten, wenn wir es hätten sehen können. Mittags, Viertel vor Zwölf, saßen meine Eltern und ich als Schüler vor dem Rundfunkempfänger und es sprang zuverlässig im „RIAS“ Lufts Eil-Rede an und machte ihn und uns atemlos. Luft besaß nur eine Reiseschreibmaschine, stellte sie auf die herausgezogene Schublade seines Nachttischs, setzte sich auf die Bettkante und hämmerte los, so berichtete die Presse. Er war lustig. Und listig war er natürlich auch. Einmal erzählte er Folgendes: Seine geliebte, bewunderte Elisabeth Bergner pflegte er mit dem immer gleichen schlichten Shakespeare-Zitat zu preisen. Nun wollte jemand gern wissen, woher dieses Zitat denn stamme. Ohne zu erröten, gestand Friedrich Luft, er erfinde immer alle Zitate. Am einfachsten sei es, sich die von Oscar Wilde auszudenken. Der Vorteil der schlankweg erfundenen Zitate sei übrigens, dass sie, ohne dass man lange habe herumblättern müssen, stets passten. Einmal nur habe ihn ein Leser um die Herkunft seiner Shakespeare-Zitate angehauen und er habe den unersättlichen Alles-Wissen-Woller auf eine apokryphe, unveröffentlichte Folio-Ausgabe im Besitz des Hauses Windsor verwiesen. Danach sei glücklicherweise wieder Ruhe gewesen.

Luft war mehr als ein Kritiker: er war ein begnadeter Feuilletonist. Das machte seine spurtschnellen Kritiken derart lesbar. Sie sprangen die Leser geradezu an. Sie machten süchtig. Sein journalistischer Jungdachs, der Musikkritiker Klaus Geitel, soll versucht haben, dem alten Hasen Luft ein Artikelchen wegzuschnappen – über den ersten Berliner Auftritt Marlene Dietrichs nach dem Kriege im Jahr 1960. Das fiele doch schließlich, wie auch immer Marlene sänge, in die Kategorie Musik. Luft soll, dem Bericht zu folge, beinahe mitleidig geschaut haben: „Darauf habe er an die 30 Jahre gewartet, die Dietrich endlich willkommen zu heißen“, feixte er nur als Antwort. „Jetzt sei der große Augenblick da, und es sei fraglos sein Augenblick“. Recht hatte er. Als kurz nach dem Eintreffen der Diva bei Luft das Telefon klingelte und eine ihm seit langem von der Kinoleinwand vertraute Stimme ins Ohr hauchte: „Marlene Dietrich“, fiel ihm – so wird berichtet –  fast der Hörer aus der Hand. Sie war seit langem Lufts Leserin. Das machte ihn glücklich und sicherlich auch stolz. Aber für Stolz war er nicht geschaffen.

Er war ein Mann voller Eigenschaften, doch ohne Einbildung. Musil hätte ihm einen Roman widmen können. Staunend und erschrocken lasen wir in der Zeitung von Lufts erstem dienstlichen Theaterbesuch im noch rauchenden Trümmer-Berlin, als Wegelagerer ihn im abgeholzten Tiergarten ausraubten, zusammenschlugen und über Nacht liegen ließen. Mancher meint heutzutage vielleicht, das sollte Kritikern ruhig mit einiger Regelmäßigkeit wieder geschehen. Doch nicht einem Manne wie Friedrich Luft, den man, obwohl er nie auf dem hohen Ross saß und Unter den Linden entlang ritt, mit einigem Fug und Recht „Friedrich den Großen“ nannte. Er hat jeden Theaterabend mit Herzblut genossen und gerecht beurteilt, ohne zu verletzen. Friedrich Luft  hat auch die Ostberliner Theater besucht und wurde auch im Ostteil der Stadt von seinen Zuhörern geliebt. Er wiederum hat die Künstler geliebt, produktiv kritisiert, Ahnung gehabt von Regie, Bühnenbild und Schauspielkunst. Und wenn er sich mal wieder über einen gelungenen Theaterabend herzlich gefreut hat –  bei professionellen Theaterkritikern eine eher seltene Gabe -, so folgte nach einer sorgfältigen Analyse plötzlich der populäre Satz: „Ich habe mich, liebe Hörer, in meinem Parkettsessel amüsiert wie Bolle auf dem Milchwagen.“

Friedrich Luft hat die Wiedervereinigung noch erlebt und starb am 24.12.1990 mit 79 Jahren in Berlin. An seinem Wohnhaus am Nollendorfplatz in der Maienstrasse 4, in dem er fast 50 Jahre wohnte, befindet sich eine Gedenktafel, ebenso wie am ehemaligen RIAS-Gebäude in Schöneberg. Er wurde auf dem Waldfriedhof Dahlem begraben, ein Ehrengrab der Stadt Berlin. Und wer seinen berühmten Abschiedssatz seiner sonntäglichen Kritiken noch einmal hören will, wird auf YouTube fündig.

Ich werde auf dem Blog weiter über das West-Berliner Theaterleben nach dem Krieg berichten.

In diesem  Sinne „gleiche Stelle, gleiche Welle“, herzlich auf Wiederlesen !

Prof. Michael Goden

 

Wegen Krankheit geschlossen

Liebe Blogleser, bitte wundern Sie sich nicht, wenn hier für ein paar Tage keine neuen Beiträge erscheinen. Der Grund ist….   und da fällt mir das wunderbare Gedicht von Christian Morgenstern ein (wohlwissend, dass es in einem anderen Kontext gecshrieben wurde):

Das Knie

Ein Knie geht einsam durch die Welt.

Es ist ein Knie, sonst nichts!

Es ist kein Baum! Es ist kein Zelt!

Es ist ein Knie, sonst nichts. …..

 

Deshalb muss ich für einige Zeit den Schreibtisch mit dem Krankenbett wechseln und da sich der Blog von der Klinik aus nicht sehr bequem betreuen und editieren lässt, wird es eine kleine Pause geben. Sobald ich meinen Laptop wieder hochfahren kann, gibt es neues Lesefutter und neue Artikel in der dem Blog eigenen Vielfalt.

Bleiben Sie trotzdem weiter neugierig

bis bald

go